Mannheim
Compact Memory

Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 9 (1905) · p. Seite 141

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
9 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 141 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/9620171-9626617-9622779--1573-9622796
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

JUNG ISRAEL 141 finbuHß der Börse, so daß im Grunde genommen Uz letztere auch der Herr Baron von Rothschild ist. Eines haben diese Rothschildwitze vor den -anderen Kategorien tatsächlich Schönes voraus: Sie sind amüsant, ohne roh oder verletzend zu sein. Dafür zunächst das folgende Beispiel, das ich so wiedergebe, wie es im Volksmunde kursiert. Beim „Baron von Rothschild" erbettelte sich ein Polack zehn Gulden und ging mit diesem Gelde in ein feinet Restaurant, wo er es in einenl guten Glas Wein und zwei mächtigen Portionen Salm anlegte. Die „Konkurrenz" erhielt Kenntnis von dieser Kapitalsanlage und hatte nichts Eiligeres zu tun, als den: Herrn Baron die Leckermäuligkeit des Schnorrers zu berichtein sodaß derselbe, als er wieder fechtend bei dem INaron vorsprach, mit den Worten empfangen wurde: „Wie konnuen Sie dazu, mir zehn Gulden abzubetteln und dafür Salm zu essen?" „Nu," erwiderte der Schnorrer ganz treuherzig, „was regen Sie sich auf, Herr Baron? Habe ich kein Geld, kann ich keinen Salm essen, besitze ich welches, soll ich keinen Salm essen, ja, wann komme ich dann dazu, Salm zu essen?" Diese verblüffend unverschämte Antwort versöhnte den Baron mit Lern Feinschmecker und er gab ihm zwanzig Gulden, damit sich die Tenmrzianten ärgerten. Wieder erschien bei dem Geldfürsten ein Schnorrer, begrüßte ihn devot und sagte: „Herr Baron, gewwe Se mer zehe Gulde!" „Warum gerade zehen Gulden?" „Nu, gewwe Se mer doch zehe Gulde!" „Ich finde es im höchsten Grade unpassend," bemerkte der Angefchnorrte gereizt, „daß Sie mir die Summe vorfchreiben, die ich Ihnen geben soll!" „Nu," replizierte der freche Polack, „wenn Sie das Schnorren besser verstehen, Herr Baron, wie ich, dann'— schnorren 'Sie!" sprach's. machte Kehrt und ließ den verblüfften Beherrscher aller Gläubiger stehen. Bei diesen: Baron trat auch einmal ein feudaler Kerl, eiu wirklicher Graf, der früher Korps- und Rumorstudent gewesen Unr, ein. Da der Nabob gerade mit einer wichtigen Arbeit beschäftigt war, nahm er nicht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.