Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 9 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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140 JUNG ISRAEL Das Haus Rothschild in Frankfurt a. M. und der Dolkswifz Von 3. B. mülIer-Herfurfh. Das mit dem Tode des Barons Willy in Frankfurt a. M. erloschene Haus Rothschild lebt natiirlich und zwar in ernster und heiterer Weise in der Bevölkerung fort. Aus die erstere, wenn es denr Frankfurter darum zu tun ist, den: Fremden klar zu machen, wie reich seine Vaterstadt sei und auf die letztere, wenn es gilt, die ins Stocken geratene Unterhaltung durch mehr oder weniger gute Witze wieder in Fluß zu bringen. Anekdoten von Friedrich dein Großen, Saphir und wie die Leute alle heißen nwgen, denen die Fabrikation guter Witze zugeschvieben wird, erzählt man in Frankfurt wohl auch, aber viel häufiger beschäftigt man sich mit dem Baron von Rothschild. Unter diesen: Baron ist nicht etwa der tatsächlich recht witzig gewesene Meyer Amschel oder die Barone Mayer Karl m\b Willy sowie irgend ein älterer Träger dieses berühmten Namens zu verstehen — das Volk unterscheidet nicht so genau— sondern der Rothskchild, den inan halt zur Erzählung des Witzes braucht. Friige man den Erzähler, um welcher Baron es sich handele, säße er auf, verlöre den Faden und ruinierte den Witz. Ta durch die große Mildtätigkeit der Rothschilds in Frankfurt a. M. ganze Kolonien polnischer Schnorrer, die allenthalben die Polacken genannt werden, entstanden, diesen arbeitsscheuen Elementen auch Mutterwitz nachgerühmt wird, so sind die Erzählungen über Vorgänge zwischen dem Baron von Rothschild und dieser: Schnorrern Legion. Einige mögen historisch sein, die Mehrzahl derselben ist aber eine Er-