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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 9 (1905) · p. Seite 137

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
9 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 137 (sequence 13)
Language
German
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JUNG ISRAEL 137 cr einem grünen Tische drei alte Herren mit langen weißen Perrücken saßen. Nach langem Hin- und Herreden, von dem er nicht das geringste verstanden, habe zuletzt sein wieder ruhig gewordener Angreifer eine grünseidene Börse gezogen und hundert blanke Goldstücke auf den Tisch gezahlt, die er habe an sich nehmen dürfen. Als er kurze Zeit darauf als reicher Mann wieder am Themsestrom gestanden, habe er erst Gott für das erlebte Wunder gedankt, dann aber beschlossen, die göttliche Vorsehung nicht weiter zu versuchen und die große fremde Stadt sofort zu verlassen, da er den merkwürdigen Wechselfällen sein neugewonnenes Vermögen nicht anssetzen mochte. Mit dem ersten von London abgehenden Segelschiffe sei er deshalb wieder nach Hamburg zurückgefahren und dort zu einem jüdischen Geldwechsler gegangen, der ihm für die hundert englischen Goldstücke mehr als viertausend polnische Gulden ausgezahlt. Davon habe er fast nichts verbraucht, sondern sich wieder kostenlos nach der Heimat durchgeschlagen, wo er gerade zur rechten Zeit ankarn, um das Mosinsky'sche Haus billig zu erstehen, und wo er in der allen Ortsbewohnern bekannten Weise zu noch größerem Wohlstände gelangte. Das Weitere ist bald erzählt. Von Magnus mit geringen Geldmitteln unterstützt, ging dessen armer Freund ebenfalls nach London, sich unterwegs mit den Gaben mildtätiger Glaubensgenossen weiter helfend. Seine Jagd nach dem Golde blieb aber erfolglos. Er fand keinen vom Sherry-Genuß angeheiterten Lord, der ihn erst übermütig mißhandelt und dann großmütig entschädigt hätte, trotzdem er tagtäglich nach dev London-Bridge ging und sich an alle Personen herandrängte, welche der ihm von Magnus gegebenen Beschreibung annähernd entsprachen. So vergingen Tage, Monate, Jahre; der arme Pole verdiente ßch entweder etwas als Hafenarbeiter, oder bettelte auch, stand aber regelmäßig zur Mittagszeit auf der Brücke, des Glückes harrend, das nicht kommen wollte. Da ihn niemand mißhandelte, rief er allen rotbärtigen Passanten die Bitte „Zerr'mich" zu, so daß ihn bald die spottsüchtige Londoner Straßenjugend als „Mr. Zerrinich" verhöhnte. Wiederholt nahm sich die Polizei des anscheinend blödsinnigen Fremden an, aber die Irrenärzte, die denselben in Behandlung nahmen, fanden ihn nur dann tobsüchtig, wenn man ihn verhinderte, um die Mittagszeit nach der Lmrdoner Brücke zu gehen, um dort unermüdlich nach dem unauffindbaren Spender der hundert Goldstücke zu spähen. Man ließ deshalb den harmlosen Menschen bald wieder laufen, der auch niemand

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