Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 9 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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13G JUNG ISRAEL nachzuweisen. Bald darauf verlobte sich Magnus mit der völlig mittellosen Tochter des verstorbenen Mosinsky, was ihn: von den christlichen wie von den jüdischen Ortsbewohnern als eilte Edeltat angerechnet wurde, ihm aber auch sonst großen Vorteil brachte, da die junge Frau das Geschäft und die Kundschaft genau kannte und einen musterhaften Ordnungssinn entwickelte. Durch Fleiß, Betriebsamkeit und Sparsamkeit wohlhabend geworden, zählten die Magnus'schen Eheleute nach einigen Jahren zu den angesehensten Bewohnern des Ortes. So oft aber auch Magnus gebeten wurde, zu offenbaren, wie er es angefangen habe, in London so schnell jenes so segensreich verwendete erste Kapital zu erwerben, er verriet niemand das Geheimnis und lächelte stets nur still vor sich hin, wenn man ihn auszusorschen suchte. Seine Frau war ein viel zu dankbares und kluges Wesen, um ihn mit Neugierde zu auälen und begniigte sich einfach mit der Versicherung, er habe in der ersten Herzensfreude über eineu unerwarteten Glücksfall das Gelübde getan, niemals darüber zu sprechen. Eilpes Abends aber, nach einem vergnügten Hochzeitsfeste, saß Magnus mit noch einem ehemaligen Schulfreunde, der sich in wenig günstiger Vermögenslage befand, bei einer Flasche Rosoglio zusammen. In feiner weichmütigen Stimmung gab er endlich den Bitten des armen Menschen nach, um diesem ein ähnliches Gliick zu schaffen, wie es ihm selbst zuteil geworden. Er setzte dem Freunde auseinander, wie er sich seiner Zeit mit Hilfe mitleidiger Glaubensgenossen von Breslau nach Dresden, von dort nach Berlin, von Berlin nach Hamburg fortgeholfen und dann auf einem Segelschiffe billige Ueberfahrt nach England erlangt habe. Aus dem Meere sei das Schiff nach langer und beschwerlicher Fahrt in einen breiten Strom eingefahren; endlich sei er den: Niesenschiffe entstiegen und habe sich nach kurzer Wanderung in der Mittagsstunde auf einer großen Briicke, der „London Bridge", befunden, mitten im Getümmel einer Weltstadt, fremd, verlassen, mittellos und ohne Kenntnis der Landessprache. Wie er so traurig auf der Brücke gestanden und kummervoll in den Stromhinabgeschaut, habe ihu plötzlich ein langer, blasser, rotbärtiger Mann gestoßen, ihn in einer ihm nicht recht verständlichen Weise verhöhnt und schließlich so heftig am Barte gezerrt, bis er laut aufgeschrieen. Im Nu seien er und der fremde Mann von einer tobenden Menge fortgerissen, nach einem großen dunklen Hause und dort in ein Zimmer gefiihrt worden, in welchem