Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 9 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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138 JUNG ISRAEL mehr anrief, um nicht abermals eingesperrt zu werden. Traf aber ber inzwischen zum Greise gewordene Unglückliche an der bewußten Stelle einen langen, blassen, rotbärtigen Mann, so machte er sich diesem in der stillen irnd rührenden Weise bemerklich, wie dies meinem Freunde wiederholt und zuletzt in meiner Anwesenheit begegnet war. Ich war längst wieder in der deutschen Heimat, als mir bei Abfassung eines Brieses nach London der seltsame weißhaarige Goldjäger auf der Londoner Brücke wiederholt in das Gedächtnis kam. Ich erkundigte mich deshalb scherzhaft bei meinem Freunde Harry, lvas denn aus Mr. Zerrmich geworden sei. Die Antwort ließ nicht lange aus sich warten. Harry hatte eines Tages seinen Schwager im Hospital ausgesucht, als man gerade aus einer Bahre den greisen polnischen Bettler hereintrug, der von einer Equipage des Herzogs von 'S. überfahren und schwer verletzt worden war. Bald daraus erschien der Herzog selbst, ein langer, blasser, rotbärtiger Herr, erzählte, daß der Unglückliche blindlings in sein feuriges Gespann hineingerannt und von ihm selbst ins Hospital geschasst worden sei. Der sichtlich tief ergriffene Edelmann bat die Aerzte dringend, ihre ganze Kunst auszubieten, um das Leben des bedauernswerten Greises zu retten. Derselbe sollte die beste Pflege erhalten; zu diesem Zwecke zahlte der Herzog, bevor er das Hospital verließ, hundert Pfund Sterling aus den Tisch — genau die Summe, welche ein Lebensalter hindurch die unerfüllt gebliebene Sehnsucht Zerrmichs gewesen. Ihm nützte das Gold nichts mehr, denn er kam nicht mehr zum Bewußtsein, sondern schlummerte sanft in die Ewigkeit hinüber. Die lange, rastlose Wanderung war vollendet, zu Ende die segenslose