Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 7 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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JUNG ISRAEL 99 im Jahre Go vor der übl. Zeitr., sollen die geopferten Lämmer gezählt worden sein und die Zahl 256 800 ergeben haben. Nun kommen auf jedes Lamm mindestens 10 Personen, oft sogar über 20, so daß damals gegen 3 Millionen Menschen in Jerusalem anwesend gewesen sein müssen. Es muß geradezu als ein Wunder angesehen werden, daß eine derartige Menge in Jerusalem Unterkommen fand, ohne daß über Mangel an Raum und über Unbequemlichkeit geklagt wurde. Wenn die erste Abteilung den Tempelhof gefüllt hatte, wurden feine Tore geschlossen, worauf der Trompetenschall ertönte zum Zeichen, das; man mit dem Opfern beginneil möge. In Reihen vorn lvaren die Priester ausgestellt, um die goldenen und silbernen Schalen einander zuzureichen, und die Levitenchöre stimmten den Hallel-Gesang an, begleitet von den Tönen der bei den Juden beliebten Flöte und dem Chor der Gemeinde. Nachdem nun die zweite und dritte Abteilung in gleicher Weise die Opfer dargebracht hatte, die Passahlämmer gebraten und die übrigen Vorbereitungen getroffen lvaren, war es Abend geivorden, und man begab sich zum Mahle. Ein größerer Kreis von Verlvandten und Freunden hatte sich eingefunden. Es ist anzunehmen, daß Arme hierzu eingeladen wurden; in talmndischer Zeit wurde den Armen Weizen zu der Mazzoth verabreicht, spater auch Mehl und Mazzothbrote selbst. Bei offenen Türen hatte man die Bedürftigen zum Passahabend eingeladen mit den Worten: „Ties ist das Brot der Armut,.jeder Bedürftige komme und esse mit", welcher Brauch sich ans unsere Zeit erhalten hat. . Tie Festesfeier in einem solchen Kreise, in dem sich jeder wie 31t Hanse fühlte, verlief in einer bestimmten Ordnung (Sseder), daher nennt man die beiden ersten Passahabende Sseder-Abende. Tie meisten beim Sseder beobachteten Gebräuche werden noch heute in den jüdischen Familien geübt, wenn auch zuweilen in etwas veränderter Form. Wie aber die Feier sich immer gestaltet, stets sollte sie den Zweck haben, das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu stärken, Dankbarkeit Nmchzurnfen, das Mitgefühl für die Armen zu wecken, kurz: erziehlich zu wirken, wie ja tille religiösen Einrichtungen und Gebräuche nicht Selbstzweck sind, wildern einen heiligenden, versittlichenden Zweck haben. Und die Kinder zmnal haben beim Sseder so viel Veranlassung zu fragen und sich belehren zu lassen, daß der Vater wohl gezwungen ist, die Vorschrift der Thora zu erfüllen: „lind du sollst verkünden an diesem Tage deinem Lohne." (Exodus 13, 8.) E. Fl.