Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 7 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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98 JUNG ISRAEL passah in früherer z^eit Die Art der Passahfeier ist heute eiue andere als in früherer Zeit, die Gesinnung und die Weihe ist jedoch dieselbe geblieben. Schon die Vorkehrungen zum Passahfeste waren in früherer Zeit, als der Tempel zu Jerusalem bestand, andere als jetzt. Wir feiern dieses Fest in der eigenen Behausung uud überlassen die Vorbereitung 31t demselben zumeist den Hausfrauen. Damals aber sollte es als Wallfahrtsfest in Jerusalem veranstaltet werden, und man schickte sich frühzeitig, womöglich nrit der ganzen Familie, zur Reise an. Bald nach Purim wurde seitens der Behörde die während des Winters unwegsam gewordene Landstraße für die Pilger umgebaut. Gleichzeitig wurde die für alle Steuerpflichtigen gleichmäßige Tempelspende mit einem halben Schekel, etwa 1% Mark, erhoben, nachdem 14 Tage vorher zur Zahlung dieser Steuer öffentlich aufgesordert wurde und in. der: Synagogen der entsprechende Abschnitt aus der Thora vorgelesen worden war. (Schabbos sch’kolim.) Ginige Wochen vor dem Feste wurden auch die näheren gesetzlichen Bestinnnungen über Passah in den Lehrhäusern erörtert, und in späterer Zeit wurden an dem dem Feste vorangehenden Sabbath in der Synagoge, die oft zugleich als Lehrt-aus diente und die „Schule" genamit wurde, die Vorschriften über die allgemein üblichen Festgebräuche besprochen; dieser Sabbath heißt (Schabbos lm^odol), „der große Sabbath". Der Frühling hatte seine volle Pracht entfaltet; auf den Feldern wogte bereits die reifende Saat. Tie Straßen Palästinas füllten sich mit frommen Pilger-scharen, die von nah und fern, so auch von Kleinasien, Alexandrien, Cyrene, Syrien und Babylonien, Haus und Habe verlassend, mit vertrauensvoll sorglosen:, gehobenem Siun, gemeirrschafb lich hinaufzogen nach Zion, dem Tempelberge des Herrn. Irr Jerusalem Nmrden inzwischen die nötigen Anstalten getroffen, um die zahlreicher: arrswärtigen Brüder unentgeltlich und gastfreurrdlich aufzurrehrrren und zu bewirken. Am Rästtage zrrm Feste, dem 14. Nissan, den man als einen Halbfeiertag beging, wurde jede schwere Arbeit gemieden, rrnd, irachden: man noch irr: Laufe des Vornrittags alles „Gesäuerte" vernichtet hatte, schritt nran nachmittags, gewöhnlich mir %3 Uhr, zur Darbringung des Passahopfers. Ta der Tempelvorhof alle Opfernden zrr gleicher Zeit niemals zu fassen verrrrochte, rrrußte das Passahopfer ir: drei Abteilungen dargebracht iverden. Einmal, wahrscheinlich