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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 6 (1905) · p. Seite 86

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
6 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 86 (sequence 8)
Language
German
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86 JUNG ISRAEL. M iseknef aus öem Jahre I49Z. (Schluß.) Bevor wir Saphet verließen, mußten wir jeder einen Dukaten in Gold als die jährliche Kopfsteuer, die jeder Mann erlegen muß, entrichten; Frauen und unbärtige junge Leute brauchen es nicht zu erlegen, ebenso zahlen diese nicht in Beiruth die Steuer von 1!4 Dukaten. Am Freitag, den 12. Marcheschwan 5256 verließen wir Saphet in Gesellschaft mehrerer Sicilianer, die sich an andere Karavanen, bestehend aus Juden, Christen und Arabern, anschlossen; diese führten ein großes Vermögen mit sich und mußten daher mit einer großen Karavane reisen. Freitag Abend kurz vor Beginn des Sabbaths kamen wir nach dem Dorfe Kana, wo wir bis Dienstag blieben. Dann verließen wir diesen Ort und gingen die ganze Nacht ohne ein Wort zu sprechen; wir kamen bei zwei Zollämtern vorüber ohne zu bezahlen; es war auf dem Wege nach Dothan, wo ich die Grube, in welche Josef hineingeworfen wurde, gesehen habe. Von Tagesanbruch blieben wir im Gebirge, bis die Sterne wieder sichtbar waren. Die zweite Nacht gingen wir an Sichem, das zwischen den Bergen Garizim und Ebal liegt, vorüber; jener ist sehr gesegnet mit Früchten, dieser hingegen ist wie eine Wüste. Wir reisten hier immer aus Furcht vor den Zollhäusern in der Nacht. Gott wollte es aber, daß wir noch in derselben Nacht den Zollwächtern begegneten, die uns nahe an Sichem nach ihrem Lager brachten, wo wir die ganze Nacht in Furcht und Schrecken zubrachten; wir hatten hier eine halbe Tagereise rückwärts machen müssen. Donnerstag morgens hatten es die Juden und die Führer abgemacht, ihnen 14 Dncaten zu bezahlen; ich mußte auf meinen Teil 14 Silberstücke erlegen. Die folgende Nacht setzten wir unsern Weg noch immer unter Angst und Schrecken fort, denn wir waren den Verfolgungen der Leute aus Sichem, die blutdürstig sind, ausgesetzt; Gott leitete uns aber auf den rechten Weg. Als der Morgen anbrach, waren wir vor Jerusalem. Als ich nun Freitag am 18. Marcheschwan von ferne die wüste und öde Stadt und den zerstörten Zionsberg, der nun Wohnung der Löwen und Schakale ist, erblickte, ergoß sich mein Herz in Tränen, ich setzte mich nieder, weinte und machte nach Vorschrift zwei Nisse in mein Kleid; ich habe, indem ich mich gegen den Tempelplatz wendete, mein Gebet verrichtet, daß Gott bald die Gefangenen Israels wieder in ihr Land führen möge, daß wir noch die Wohnung Gottes sehen mögen.

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