Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 6 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JUNO ISRAEL. . 85 Du, der Einzige, dem ich vertraut, hast Deine Hand zu meinem Verderben geboten!"- Ohne lange zu überlegen, kehrte der Prinz ins Schloß zurück. Man tat, als ob nichts vorgefallen wäre. Franz war ins Ausland gegangen. * * * Jahre vergingen. Der Fürst starb und Prinz Karl übernahm die Regierung. Eines Morgens sitzt der junge Fürst in seinem Kabinet. Ein großer Stoß Akten liegt vor ihm. Da fällt sein Blick auf ein schwarzgesiegeltes Paket. Das mußte einen schweren Fall betreffen. Er öffnet das Paket und liest: „Akta wider den Juden Salomon, Schriftsetzer, wegen Gotteslästerung." Salomon? Schriftsetzer? Jude? Der Fürst hat ein gutes Gedächtnis. War das nicht der Wanderbursch, der ihm an jenem bedeutungsvollen Morgen im Walde den Spruch zurief: Vertraue niemand außer Gott? Und der soll eine Gotteslästerung begangen haben? Der Fürst studierte die Akten aufs genaueste und gewann die Überzeugung, daß Salomon unschuldig und die Verurteilung zu unrecht erfolgt war. Nachdem sich der Fürst noch das Wanderbuch Salomons kommen ließ, um sich zu vergewissern, daß keine Personenverwechselung vorliege, sprach er die Begnadigung aus. Schon am nächsten Morgen sollte Salomon die Freiheit wieder-' gegeben werden. Als sich die Pforten des Kerkers öffneten, trat ein Mann im Reitanzuge auf Salomon zu. Er betrachtete den Gefangenen lange, dann sprach er: „Besser ist's, dem Ewigen zu vertrauen, als sich auf Menschen zu verlassen!" Mit diesen Worten überreichte er dem erstaunten Salomon eine gefüllte Börse und entfernte sich. Durch den Gefängniswärter erfuhr Salomon, daß es — der Fürst gewesen sei. So ist ein Psalmwort der Retter der Unschuld geworden. Und wenn der „alte Salomon" jemand warnen oder trösten wollte, dann sagte er: „Besser ist's, auf Gott zu vertrauen, als sich auf Menschen zu verlassen."