Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 6 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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84 JUNG ISRAEL. „Za, und Du sollst noch ein Wandergeschenk haben; aber schnell muß es sein, ohne Besinnen!" „Nun, das kann geschehen. Mein Vater gab mir den Spruch des Psalmisten mit auf die Reise: „„Besser ist's, dem Ewigen vertrauen, als auf Menschen sich zu verlassen."" Diese Worte fuhren dem Prinzen wie ein Blitz in die Seele. „Vertraue niemand außer Gott." War das nicht dasselbe Wort, das seine sterbende Mutter ihm zugerufen hatte? Mußte ihm nicht dieser Spruch aus dem Munde eines ihm völlig Unbekannten wie ein Orakel erscheinen? Seine Mutter schien vor ihm zu stehen und ihn zurückzuwinken. Sollte er gewissermaßen über die Gestalt seiner Mutter hinweg den Weg fortsetzen, oder sollte er zurückkehren? Schon wollte der Bursche sich seitwärts in die Büsche schlagen, da wandte der Prinz das Pferd, versperrte ihm den Weg und rief ihm nochmals „Halt!" zu. Der Wanderer blieb zitternd stehen. „Wer bist Du, und wie heißt Du?" fragte der Prinz. »Ich heiße Salomon und bin meiner Kunst ein Setzer." „Ein Jude?" „Ja, gnädiger Herr." „Woher kommst Du?" „Aus dem Städtchen N." „Wann bist Du da ausgegangen?" „Gestern^Abend; ich bin die Nacht durchgewandert, weil ich früh in der Residenz meine Arbeit antreten muß." „Hast Du in N. etwas besonderes bemerkt?" „Es ist gestern Abend eine Kompagnie Soldaten in N. eingerückt, dann aber in die Umgegend der Stadt hinausgelegt worden." Der Prinz wurde betroffen. „Weißt Du vielleicht, weshalb? wozu?" „Nein, gnädiger Herr, es geschah sehr geheimnisvoll. Ich traf Soldaten um Mitternacht auf dem Wege, und um nicht bemerkt und aufgehalten zu werden, machte ich einen großen Umweg, weshalb ich auf diesen Waldweg geraten bin." „Gut, ich danke Dir." Der Prinz reichte dem verwunderten Burschen ein Goldstück und ließ ihn passieren. Im nächsten Augenblick war der Bursch im Dickicht verschwunden. „Ha! was ist das?" fragte sich der Prinz. „Soldaten in N.? Es ist kein Zweifel: man will mich gefangen nehmen und der Erbfolge verlustig erklären. Ich bin verraten. O Franz, das ist Dein Werk! Auch