Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 5 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 75 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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JUNG ISRAEL. 75 mal auch Edelsteine und Perlen, je nachdem sie sie da vorsinden. Wie ich gehört habe, soll es wenig Edelsteine in Damaskus geben, dafür aber findet man deren häufig in Cairo, Alexandrien und Beiruth. Wir haben mit einem Führer einen Vertrag abgeschlossen, dem gemäß jede Person 20 Marcelli zahlte, wosür er uns nach Damaskus, frei von allen Kosten bringen mußte. Wir verließen Beiruth Mittwoch Abend, den 16. September 5256, und gingen den ganzen Tag und die ganze stacht, bis wir nach Damaskus kamen. In jenen Gegenden findet man keine Herberge, bestehend aus Zimmern, die mit Betten und Tischen versehen sind, sondern zu Ende einer Tagereise findet man zuweilen ein verödetes und offenes Gebäude, das man einen Chan nennt, und wo man Brot, Obst und Eier verkauft; es gibt aber hier keinen Ort zum Schlafen, sondern die Leute bleiben in der Mitte des Hofes mit ihren Eseln. Freitag morgens, am Vorabend von Rösch haschana, kamen wir gesund und frisch nach Damaskus; es war keiner von uns unwohl geworden; wir kehrten in das Haus des angesehenen R. Mosche Makran ein, und blieben da 5 Tage. In allen Orten jener Gegend findet sich niemand, der für Geld zu essen geben würde, wie dies bei uns der Fall ist; wenn ein Fremder, der noch dazu der Sprache unkundig ist, nach Damaskus kommt, so nimmt sich niemand außer dem gelehrten Rabbi Mosche Makran seiner an. Möge Gott seine gute Handlung belohnen! Damaskus ist eine große Stadt, mit breiten Straßen, schönen Häusern und Höfen, worin viele Quellen vorhanden sind; es sind daselbst 3 Gemeinden, zusammen 500 jüdische Familien, die zum Teil Handel mit Kleiderstoffen und anderen Gegenständen treiben und zum Teil Handwerker sind; viele leihen den Venetianern auf sichere Pfänder Geld aus. Im ganzen ist Damaskus ein ergibiger Ort, ich kann leider nur vom Hörensagen erzählen, denn am Rosch haschana wurde ich fast blind, woran der empfindliche Frost des Nachts auf der Reife hieher schuld hatte, und mußte daher die ganze Zeit das Haus hüten. Am Mittwoch, den 15. Oktober 5256 verließen wir mit andern Führern Damaskus; wir haben mit ihnen bis Sapheth 10 Marcelli per Kopf bedungen, wofür sie uns von Zöllen und dergl. freihalten mußten. Freitag morgens kamen wir nach Sapheth, wo wir ein kleines Zimmer bei einem armen Juden nahmen; wir blieben da einen Monat und bezahlten je zwei ein Silberstück für Miete und für die Mühe, uns Brot und Speise herbeizuschaffen. Saphet ist eine große Stadt am Abhange des Berges, die Häuser sind klein und unansehnlich. Wenn es regnet, ist es unmöglich, vor