Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 5 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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73 JUNG ISRAEL. später, als er zu hohen Würden gelangte und großen Einfluß besaß, sich seiner bedrängten Brüder in Liebe annahm. Schließlich lehrt uns Purim, daß die Lüge keinen Bestand hat und demjenigen, der sich ihrer bedient, Schmach und Verderben bringt. Wenn es noch eines Beweises für die waltende Allgerechtigkeit bedürfte, an Haman zeigt sie sich deutlich. An diesem Bösewicht, dem ,,Bedränger der Inden" sehen wir nicht nur, wie es einem Verleumder schließlich ergeht, sondern auch, wie er es anfängt, seinen Worten den Schein der Wahrheit zu geben. Seine Anklagen gegen die Juden begann er nämlich mit den wahren Tatsachen: „Da ist ein Volk, zerstreut und versprengt unter die Völker, durch alle Landschaften deines Königreiches, deren Gesetze unterschieden sind von denen jeglichen Volkes." Das ist wahr. Nun kommt aber die Lüge: „Jedoch, die Gesetze des Königs befolgen sie nicht." Mit einer so schweren Anklage mußte es dem Ruchlosen gelingen, die Einwilligung des Königs zur Ausführung seines abscheulichen Planes zu erlangen, alle Juden zu vernichten. Der schwache, leichtsinnige König läßt sich auch von den verleumderischen Worten Hamans zu leicht betören und gibt ihm die gewünschte Einwilligung. Haman scheint seinem heillosen Ziele nahe. Da tritt die für ihn so verhängnisvolle Wendung ein, die zu seinem Untergange führt, und an den Galgen, den er für Mordechai errichtet hat. wird er selbst gehängt. So findet sein Frevel gerechte Vergeltung. Die Handlungsweise Hamans soll uns zur Vorsicht vor dem Verleumder mahnen, der unter dem Schein der Wahrheit mit gleißnerischen Reden die Ehre und das Glück seines Nächsten untergraben will, bis die Wahrheit den Sieg über die Lüge davonträgt. O, ich könnte euch der Lehren, die das Buch Esther enthält, noch mehr auszählen; aber ich wünsche, daß ihr, liebe Kinder, am Purimfeste der Vorlesung aus der Megillah aufmerksam zuhöret und selbst über den Inhalt nachdenket. Ich wollte euch nur einige Winke dazu geben. Und nun noch eins! Ihr habt nicht nur ein Recht, euch am Purimfest zu freuen, sondern auch die Pflicht. Kennt ihr nicht die Vorschrift der Megillah: „darum feiern die Jehudim .... den 14. Tag des Monats Adar als Tag der Freude und des Mahles und als Festtag ....?" Wenn ihr euch der reinen Freude aus vollem Herzen nach echt jüdischer Art hingebet, vergesset auch der Weisung nicht: „Gaben zu schicken einer dem andern und Geschenke an die Dürftigen," auf daß auch diejenigen sich des Festes freuen, denen das Leben sonst wenig Freude bietet. Möge eure Festesfreude durch nichts gestört werden! E. F.