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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 5 (1905) · p. Seite 71

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
5 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 71 (sequence 9)
Language
German
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JUNG ISRAEL. 71 nicht bei, mit denen er manchen Schoppen Bier getrunken hatte und aus deren Einladung er in die Versammlung gekommen war. Als sie alle mit erhobenen Fäusten aus ihn eindrangen, ließ der Rothaarige sich mit heiserer Stimme hören: „Halt! legt nicht Hand an den Juden; er muß uns Genugtuung geben, er muß das Judentum abschwören und Ehrist werden; wo nicht, schlagen wir ihn zu Boden. Er hat unsere Auflage unehrlich gemacht als Jude, er muß sie wieder ehrlich machen als Christ. Sogleich sagst du: .Gelobt sei der Gott der Christen!' und dann fort mit ihm zum nächsten Pfarrer!" „Was!" schrie Salomon im höchsten Zorn, „seid ihr Menschen! Das tue ich nicht, und wenn ihr mich gleich totschlagt!" „Das soll geschehen, wenn du nicht sogleich sagst: .Gelobt sei-' und wirklich drangen sie auf ihn ein. Er aber schrie vor Zorn bebend: „Nein! und abermals nein! Verflucht sei-!" Mehr konnte er nicht hervorbringen, denn einige Fäuste trafen sein Geflcht, daß das Blut aus Mund und Nase in Strömen lief. „Gotteslästerung! Gotteslästerung!" schrie der wilde Haufe. Salomon wurde zu Boden geworfen, mit einem Strick gebunden und zum Strafgericht gebracht. Auf Grund der belastenden Aussagen so vieler Zeugen wurde der Unglückliche in den Kerker geworfen, wo er über ein halbes Jahr schmachten mußte, bis die eigentliche Verhandlung gegen ihn stattfinden sollte. Die Anklage lautete aus „Gotteslästerung." Obgleich er mit rührenden Worten seine Unschuld beteuerte und behauptete, daß es ihm garnicht in den Sinn gekommen sei, eine Gotteslästerung zu begehen, daß er in seiner Erregung nur habe rufen wollen: .Verflucht sei, der mich mit Gewalt meinem Glauben abwendig machen will/ lautete das Urteil nach dem damaligen Gesetz: Salomon sei des schweren Verbrechens der Gotteslästerung überführt; und dafür soll ihm die Zunge ausgerissen werden, und er werde dann über die Grenze geschafft. Armer Salomon! Wird das Bewußtsein der Unschuld dir dein beklagenswertes Los leichter tragen helfen, oder wird es dich der Verzweiflung anheimfaüen lassen? Was soll aus deinem armen Vater werden, dessen einziger Sohn, dessen einzige Stütze du bist? , Du ringst verzweifelt die Hände, ja, du möchtest dem qualvollen Geschick entgehen und denkst sogar daran, selbst Hand an dich zu legen, weil dir ein rascher Tod begehrenswerter erscheint als ein Leben mit den dir bevorstehenden Martern! So angestrengt du auch auf einen Ausweg sinnest, so sehr du auch nach einem erlösenden Gedanken ringest — nirgends

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