Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 4 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JUNG ISRAEL. 55 Es war in meinem letzten Winter in Waldhausen, wir hatten fast drei Monate ohne Unterbrechung steife Kälte, der Lederherz kam seit zwei Wochen nicht ins Dorf, man vermißte ihn allgemein, und es hieß, er müsse schwer krank oder gar schon gestorben sein. Lipp sagte, wenn er auch diese Woche nicht käme, so wandre er nach seinem Heimatsdorfe. Am ersten Sonntag nach Neujahr kam aber der Lederherz und schleppte sich mühsam mit seinem Pack bis zum Hause seines Gastfreundes. Keuchend sagte er: „Ich hätte daheim bleiben sollen; aber Gottlob, daß ich bei dir bin, Lipp!" prof. Max «Cirbrrmann. Der Lederherz sah noch abgehärmter aus als sonst, und auf der linken Seite war die Batte seines Nockes gewaltsam zerrissen. Lipp wußte, daß das ein Trauerzeichen sei, und Lederherz berichtete, daß seine Mutter gestorben und er deswegen nicht gekommen sei. „Und jetzt bin ich selber schwer krank," klagte er. „Das war mein letzter Gang. Nun denn in Gottes Namen! Wenn ich draußen sterben soll und nicht daheim, sterbe ich am liebsten bei dir. Ich fürchte, ich höre morgen deinen Hahn nicht mehr krähen. Schick' sogleich einen Boten nach meinem Dorf. Mein Bruder und wer sonst noch will und kann, soll zu mir kommen und bei mir sein, wenn ich sterbe." Der Schuster Lipp suchte ihm seine Ängstlichkeit auszureden und scherzte darüber, tat aber doch schnell alles,