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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 3 (1905) · p. Seite 35

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
3 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 35 (sequence 5)
Language
German
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JUNG ISRAEL. 35 betteln. Sein königliches Anssehen verlor sich immer mehr und mehr, und sein schönes Gesicht verwandelte sich in eine häßliche Fratze, die jedem Schrecken einjagte. Aus dem schönen Jüngling war eine Jammergestalt geworden, die allen, die ihr begegneten, Abscheu und Grauen einsiößte. So sehr hatte ihn das Elend verändert. Sein feuriges Auge schien erloschen; seine früheren roten Wangen waren hohl; trotz seiner Jugend ging er gebückt und gekrümmt einher; früher mutig, jetzt furchtsam, blickte er stets scheu zu Boden; vielleicht schämte er sich, daß man in ihm den Königssohn von einst erkennen möchte. Alte, zerrissene und zerfetzte Lappen bedeckten seinen Körper; an den Füßen hatte er verschimmelte und löcherige Schuhe, so daß seine Zehen hinauslugten. Ein Gespött der Kinder und ein Gelächter der Großen, war der Prinz durch die ganze Welt herumgekommen; kaum ein Flecken der Erde war ihm unbekannt geblieben, und überall fand er harte Menschen, die ihn noch auslachten. Biele Jahre waren so verstrichen, und unbemerkt hatte sich wieder der Königssohn dem großen Reiche seines Vaters genähert. Um diese Zeit regnete es dort furchtbar und fror noch bei Nacht ab und zu. In einem großen Walde suchte der Prinz Schutz vor dem Regen, doch verirrte er sich daselbst bald. Zwei Tage war er gegangen, ohne Menschen zu finden. Am dritten Tage fühlte er seine Kräfte versagen. Schlecht genährt und noch schlechter gekleidet, war der Prinz nur mehr ein Schattenbild des kräftigen Jünglings von einst. Da er sehr ermattet war, legte er sich nieder. Früher hatte er noch hinansgeblickt, so weit er konnte, doch nirgend sah er Spuren von menschlichen Anstedlungen. Derweil war es Nacht geworden, stockfinster um ihn her. Es regnete in Strömen, und der Prinz wurde ganz durchnäßt. Er dachte jetzt an seine goldene Jugend zurück, und gerne hätte er ein neues Leben beginnen mögen! Er fühlte sich immer schwächer und schwächer werden, und er glaubte, er müsse bald seiue Seele aufgeben. Zum letzten Male wollte er sich an der Schöpfung Gottes satt sehen und dann sterben. Und siehe, als er sich so vom Laaer erhoben hatte und in die weite Ferne lugte, da blickte ihm ein kleines Licht entgegen. Der arme Prinz schrie auf vor Freude: „Also Menschen, Menschen in meiner Nähe, ich muß noch nicht sterben!" Und ein glühendes Verlangen, weiter zu leben, packte ihn, der sich dem Tode schon so nahe sah. „Nein, ich bin noch zu jung, um zu sterben; ich habe noch Blut in meinen Adern und Mark in meinen Beinen, ich bin nicht znm Tode verurteilt," und ich will leben, leben!" (Schluß folgt.)

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