Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 3 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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JUNG ISRAEL. Der Königssohn. VON MARCEL WEISMANN. „Es war einmal ein Königssohn," Hub der Großvater an, als seine Enkel ruhig dasaßen, „dieser Königssohn führte ein schlechtes Leben, er war nicht fleißig und wollte gar nichts lernen; er schlief spät des Morgens, und wenn sein Lehrer kam, sagte er, er sei krank und müsse das Bett hüten. Doch kaum war der Lehrer fortgegangen, so stand er auf, aß sein Frühstück mit gutem Appetit und ließ sich sein Pferd satteln, um ausznreiten. Auf seinem Pferde trieb er noch manchen Schabernack, schreckte z. B. die Kinder, die ruhig von der Schule kamen, oder sprengte die Schaf- und Rinderherden, die er antraf, in wilde Flucht. Einmal ließ er sogar von seinem Reitknechte die Hirten peitschen, weil sie sich seinem frevelhaften Beginnen widersetzen wollten. Der König war mit seinem Sohne höchst unzufrieden. Er ließ ihn dies oft fühlen, und gar manchen Tag durfte er nicht in der großen Stube mit allen übrigen zusammen speisen, sondern mußte allein in einem kleinen Zimmerchen essen. Denn in die Küche konnte er ihn nicht schicken, da er Prinz war. Das Unglück wollte es noch, daß er der einzige Sohn war und daher der Nachfolger des Königs werden sollte. Wie ein Vater sein Kind, so bat der König den Prinzen, vom Schlechten zu lassen; doch es nutzte nichts. Wenn der König böse wurde und dem Prinzen drohte, er werde ihn aus seinem Reiche hinaustreiben lassen, so lachte dieser und erwiderte höhnisch: „Ich bin ja doch dein einziger Sohn, und alle Großen des Reiches werden sich beeilen, mich, den zukünftigen König, aufzunehmen. Von Tag zu Tag trieb es der ungeratene Sohn ärger, sodaß der König in heftigem Zorn geriet und schwur, er werde seinen Sohn aus dem Reiche weisen. Der Prinz vernahm dies, und da der König bei Todesstrafe verboten hatte, ihn aufzunehmen, ging er selbst in die weite Welt, nachdem er sich viel Geld mitgenommen hatte. Anfangs machte es dem Prinzen Spaß neue Länder und Städte zu sehen. Er konnte dabei sehr gut leben, erhalte ja viel Geld mit sich. Bald aber ging ihm dieses in seinem Schlaraffenleben aus, und endlich hatte der Königssohn nichts mehr. Einen Teil seiner reichen Kleider selbst hatte er verkaufen müssen, um nicht zu verhungern. Stolz von Natur, wollte er nicht zu seinem Vater zurückkehren, der ihn nun, gebessert, gerne ausgenommen hätte, sondern zog es vor, zu 4