Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 3 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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36 JUNG ISRAEL. |onne, ßeh jlilk! Von den Gibeoniten zu Hilfe gerufen, kämpfte Josua an der Spitze der tapfern Israeliten gegen fünf kanaanitische Könige. In der großen Schlacht bei Gibeon war er Josua gelungen, den Sieg über die Feinde zu erringen. Aber noch waren diese nicht völlig besiegt, als die Nacht ihre dunklen Schatten über das blutige Schlachtfeld breitete. Vielleicht hätten die Feinde im Schutze der Nacht in der für Josua unbekannten Gegend seinen Sieg zu nichte macheu können! In dieser Furcht tat der Führer der Israeliten den denkwürdigen Machtspruch: „Sonne, ft ehe still in Gibeon und Mond im Tale Ajalon!" „Und/' so erzählt die Bibel weiter, „die Sonne stand still, und der Mond blieb stehen, bis das Volk vergolten hatte seinen Feinden." Es sei hier nicht weiter die Rede von der wunderbaren Verlängerung des Tages, von der die Schrift uns Kunde gibt; (wir wollen bei dieser Gelegenheit daran erinnern, daß in Spanien im Jahre 1831 durch Brechung der Sonnenstrahlen (Refraktion) gegen die Bergspitzen der Tag um einige Stunden länger gedauert hat). Daß sich auch am Tage der Schlacht bei Gibeon ein außergewöhnliches Naturereignis abgespielt haben mag, geht aus dem Bericht der Bibel hervor, wonach ein Steinregen auf die Feinde den Sieg der Israeliten begünstigt hat. Wie Josua gewünscht hat: „Sonne, stehe still!", um durch die hereinbrechende Nacht nicht au dem völligen Siege gehindert zu werden,' so ruft auch der edle und weise Mensch, dem für sein Wirken die Zeit seines Lebens zu kurz erscheint. Wenn wir unsere Zeit und unsere Kräfte weise benutzen, so verdoppeln wir gleichsam den Tag des Lebens. Viel gutes bewirkt haben, heißt lange gelebt haben. Wer aber Zeit und Kraft mit unnützen oder gar schädlichen Dingen ausfüllt, dessen Leben ist doch nur kurz, wenn es auch noch so lange währt, dem geht die Sonne des Lebens zu früh unter — seine Bestimmung hat er nicht erfüllt. In einem Weinberge arbeiteten viele Arbeiter auf Befehl ihres Herrn. Einer von ihnen, ein Jüngling, tat sich durch besonder» Eifer und rastlose Emsigkeit hervor, so daß er seinem Herrn aufsiel. Dieser ließ ihn zu sich rufen und unterhielt sich mit ihm einen großen Teil des Tages in leutseliger und liebevoller Weise. Als am Abend den Arbeitern der Lohn ausgezahlt wurde, erhielt der Jüngling den gleichen Teil wie die übrigen Arbeiter. Darüber wurden diese ungehalten und murrten: „Der Jüngling hat nur wenige Stunden gearbeitet und erhält ebenso viel Geld wie wir — das ist nicht gerecht." Da erwiderte der Herr: