Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 3 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DER WEISE RICHTER. VOX EDUARD JACOBSOHN. Um das Totenbett des Vaters Stehn die Söhne tief erregt, Lauschen still, da leise lispelnd Noch der Greis den Mund bewegt: „Vater nennet ihr mich zehen, Doch nur einen nenn’ ich Sohn, Dieser eine ist mein Erbe —“ Und die Seele war entflohn. Jetzo kommen sie zum Richter, Jeder will der Rechte sein, Will allein von seinen Brüdern Sich des reichen Erbes freu’n. Und zu ihnen spricht der Weise: „Dunkel ist der Rede Sinn, Nur der Tote weiss das Wahre; Eilt zu seinem Grabe hin, Schlagt so lange auf den Hügel, Bis dem Grabe er entsteigt, Und des Rätsels Dunkelheiten Euch in klaren Worten zeigt.“ Und sie gehn — doch einer bleibet Still am Richterstuhl zurück; Mit der Schmach des Vaters kaufen Will er nicht des Erbes Glück. „Wohl hat hier Dein Herz gesprochen, Jene Stimm’, die nimmer schweigt, Hat den rechten Sohn und Erben Mir in Dir allein gezeigt“.