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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 2 (1905) · p. Seite 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
2 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 29 (sequence 15)
Language
German
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JUNO ISRAEL. 29 „Bin nicht gekommen, um zu stören, setze sich jeder wieder ruhig hin!" sagte der Prinz mit. einer leichten freundlichen Handbewegung. Er und sein Adjutant setzten sich. „Nun, ehrwürdiger Großvater, stellen Sie mir Ihre Familie vor," sagte der Prinz. — „Zu dienen, Kaiserliche Hoheit! dieses ist meine Hausfrau, jener mein jüngster, erst verheirateter Sohn, dieses seine Frau rc.," entgegnete der Vorsteher. — „Aber ich sehe dort noch acht Personen, die n^ch ihrem Äußeren nicht zu Ihrer Familie gehören," bemerkte der Erzherzog. — „Es sind heimatlose Arme, auf das Mitleid ihrer Mitmenschen angewiesen. Fast allerorts, wo Juden wohnen, ist Vorkehrung getroffen, damit diese bedauernswürdigen Heimatlosen Speise und Unterkommen finden," erklärte der ehrwürdige „Parnes". — „Aber so viele fremde Personen zu speisen, die die Zahl ihrer Familienmitglieder übersteigen, ist doch ein großes Opfer, das Sie sich auferlegen," bemerkte der Prinz. „Ich weiß nicht, esse ich mit ihnen, oder essen sie mit mir," erwiderte , Dreyfus, heißt es doch in der heiligen Schrift: „Gott gibt Speise allem Fleisch, denn ewig wahret seine Güte" (Pf. 136, 25). Ich bin nur der Vollzieher seiner Anordnung." Der Prinz warf einen bedeutsamen Blick auf seinen Adjutanten. — „Woher kommt aber dieser Übelstand und wie wäre dem abzuhelfcn?" fragte er den Vorsteher. — Mit etwas verlegener Miene antwortete Dreyfus: „Sind Juden nicht alle heimatlos? Müssen wir nicht alle mit schwerem Gelde unseren Aufenthalt erkaufen und stets zu erhalten suchen? Würde man diesen armen Leuten eine Heimat geben, sie zu nützlicher Beschäftigung veranlassen, so würde man sich ein großes Verdienst um die Menschheit erwerben!" „Aber die Einsassen würden sich für diesen Zuwachs bedanken," wendete der kaiserliche Adjutant ein. Dreyfus jedoch entgegnete: „Wenn man Eigennutz, Vorurteil und Engherzigkeit zu Rate ziehen wollte, nie würde etwas Gutes zu Stande gebracht werden." „Solche edle Gesinnungen sind des Andenkens würdig," sagte der Erzherzog sichtlich bewegt, und indem er sein Tagebuch hervornahm, machte er sich einige Aufzeichnungen. Diese Unterhaltung blieb nicht ohne fruchtbare Folgen für Israel, denn gleich nach dem Frieden kam in ganz Deutschland die Verordnung, daß alle vagabundierenden Juden als heimatberechtigt dahin gewiesen wurden, wo sie geboren worden oder sich verheiratet hatten. Diese wurden „Einleger" genannt, und die meisten ihrer Nachkommen wurden tüchtige Gewerbsleute, und mancher Herr, der an der Spitze eines großen Hauses steht, stammt von einem sogenannten „Einleger".

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