Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 2 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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inMrtmmg. (Nach Notizen ans dem Tagebuch des Erzherzogs Karl von (Schluß.) sterreich). Während des Gespräches trat ein Mann ein, halb in Zivil, halb militärisch gekleidet, mit einer großen Mappe unter dem Arm. Es war der kaiserliche Hofmaler. Er machte eine Verbeugung, sprach einige Worte in französischer Sprache, setzte sich der Männergruppe gegenüber, öffnete seine Mappe, nahm die nötigen Zeichengeräte heraus und einen scharfen Blick auf den altehrwürdigen Vorsteher Dreyfus richtend, begann er zu zeichnen. Der Sohn, Wolf Dreyfus, ein perfekter Weltmann, merkte sofort die Absicht des Prinzen und verstand es, seinen Vater deswegen soviel wie möglich in lebhaftem Gespräch zu erhalten. Indessen erkundigte sich der Prinz nach der Anzahl der jüdischen Familien Endingens, nach der Einwohnerzahl, nach den bürgerlichen Verhältnissen, Erwerbszweigen :c. So dauerte das Gespräch fort bis nach fünf Uhr. Vorsteher Dreyfus schien, nach der Uhr schauend, schon etwas in Verlegenheit zu sein. Denn er sagte zu seinem Sohne Wolf ganz leise „mechalel Schabbos“ (Sabbatentweihung). Wolf mit seinem ungenierten geschmeidigen Wesen erhob sich und wendete sich zum Prinzen: „Kaiserliche Hoheit wollen gnädigst erlauben; es ist Freitag, heute abends sechs Uhr geht der Sabbat an. Mein Vater, als Vorsteher, ist gewohnt, als einer der ersten beim Gottesdienste zu erscheinen ..." Der Prinz hierauf den Maler fragend: „Vous est-il possible d'achever maintenaut?“ „Sire, eucore quelques traits,“ war die Antwort. Auf die Uhr schauend bemerkte der Prinz: „Ist erst fünf, wollen noch einige Minuten verziehen," und zum Vorsteher Dreyfus sich wendend, sagte er: „Ich lasse Ihr ehrwürdiges Gesicht malen, ist bald geschehen." Dreyfus, hierüber etwas verlegen, rief erregt aus: „Ew. Kaiserliche Hoheit!" — „Seien Sie unbesorgt," beschwichtigte der Prinz, „so sehr Sie auch einem Heiligen ähnlich sind, so soll doch Ihr Bild keinen anderen Zweck haben, als mir ein Andenken zu sein. Nun sei es Ihnen erlaubt, sich zu entfernen. Beten Sie auch für uns!" Sabbat Mittag, als Michael Dreyfus, der Parnes (Vorsteher) von Endingen, mit seiner Familie und acht Orchim (arme fremde Gäste) zu Tische saß und bereits mit dem Mahle fertig war, trat der Prinz mit seinem Adjutanten zu ihm in die Stube. Die ganze Gesellschaft erhob sich und entblößte das Haupt.