Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 2 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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JUNG ISRAEL. 23 MN WM Non Neid und Haß getrieben, hatten die Söhne Jakobs ihren Bruder Joseph als Sklaven verkauft. Jsmaelitische Kaufleute hatten ihn für 20 Silberftücke (etwa 50 Mark) gekauft und nahmen ihn mit nach Ägypten, um ihn dort mit Gewinn weiter zu verhandeln. Unterwegs ließen sie ihm eine hartherzige, unmenschliche Behandlung angedeihen, Während sie auf Kamelen ritten, mußte er zu Fuß vor ihnen herlaufen. Sie stießen und schlugen ihn, weil er im Schmerz über sein trauriges Geschick weinte und sie flehentlich bat, ihm doch die Freiheit wiederzngeben. Aber die Grausamkeit der Jsmaeliten sollte nicht unbestraft bleiben. Plötzlich breitete sich tiefes Dunkel über die unermeßliche Ebene aus, so daß sie nichts zu sehen vermochten. Furcht und Schrecken überfiel sie allesamt. Die Hände, die den armen Joseph gepeinigt hatten, verdorrten und wurden kraftlos; der Mund, dem eben noch Fluchworte entströmten, verstummte. Man hatte aber ein freies Feld auf dem Wege nach Ephrath erreicht, wo die Gebeine Nahels, der Mutter des unglücklichen Joseph ruhten. Finstre Nacht ringsumher. Da bricht durch das schier undurchdringliche Dunkel ein blasser Strahl des Mondes und zeigt Joseph das Denkmal, das Jakob auf dem Grabhügel Rahels errichtet hatte. Das Herz will dem Armen brechen. Er wankt einige Schritte vorwärts, und bald bedeckt sein ermatteter Körper das einsame Grab. „Mutter, Mutter," ruft er unter heißen Tränen, erwache ans deinem Todesschlafe und sieh die Leiden deines Sohnes! Offne deine geschlossenen Augen, Mutter, und weine mit mir! O, daß doch deine Tränen meine Fürsprecher an dem Trone des allergerechten Gottes seien! Meine Brüder haben mich aus den Armen des geliebten Vaters gerissen und uns beide in namenloses Elend gestürzt!" Bitterlich weinend lag er lange auf dem Grabe. Doch horch! Eine ihm wohlbekannte Stimme ließ sich plötzlich vernehmen. „Mein Sohn Joseph, geliebtes Kind! Dein Jammern und Klagen hat deine Mutter in ihrem tiefen Todesschlafe geweckt. Ihr unsterblicher Geist kennt deine