Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 2 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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22 JUNG ISRAEL kleiden und begraben. Siehe, da fanden sie, daß er eine Beule an der Brust gehabt, und die war aufgegangen und da hatte ein mächtiger Stein sich herausdrangen wollen, aber hatte nicht gekonnt und war nur sichtbar geblieben. Sie waren sehr verwundert und deckten die Wunde doppelt zu, taten dem Toten alle Ehre an und gelobten sich, niemals von dem zu sprechen, was sie gesehen. Aber es kam doch unter die Leute, ich weiß nicht wie, und am Begräbnistage flüsterte einer dem andern ins Ohr: ,,Eiseck hat ein Herz von Stein gehabt!'^ Und da antwortete der andere: „Ah so . . . darum auch . . ." Uud seitdem, wenn einer durchaus nichts geben will, und wenn er die Miene macht, als wollt er wohl, aber er könnt es nicht übers Herz bringen, und tuts wirklich nicht, sagt man: ,,Er hat ein Herz von Stein . . ." DER MUTTER LIEDER. VON ARTHUR SILBERGLEIT, BRESLAU. Wenn still ihr seltsames Gefieder Die Dämmrung breitet auf die Giebel, Lässt Mütterchen die braune Bibel Und singt die alten, alten Lieder. Wohl in dem Stübchen lauscht die Luft, Als ahnte sie: der Klang der Lieder Bringt jenen wundersamen Duft Der alten, alten Tage wieder. Wir Kinder aber werden still; Wir fühlen es, dass reiner Friede Am herrlichsten im Mutterliede, Dem guten, süssen wohnen will . . . Vielleicht macht uns das Dämmern bang, Dass wir nicht aus der Stille treten Und, nur im Ohr der Mutter Sang, Anstatt zu tanzen . . . beten, beten. £