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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 2 (1905) · p. Seite 21

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
2 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 21 (sequence 7)
Language
German
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JUNG ISRAEL. 21 Seine Frau aber grämte sich sehr und verlor die Lust am Leben und starb auch. Aber ob Eiseck nun auch ganz einsam wieder war, vergoß er doch keine Träne und war wie immer, als man die Verstorbene neben ihr Kind bettete und er die erste Schaufel Erde auf ihre Neste warf. Aber allmählich stieg in ihm doch die Frage auf: warum bist du so anders wie alle anderen? Du freust dich nicht, wo sich andere 'freuen, du grämst dich nicht, wo sich andere grämen — und da dachte er einmal, vielleicht ists, weil du gar nichts in die Armenkasse gibst, und er tat sich Gewalt an und ging zum Vorsteher und griff rasch in die Tasche und faßte zwei, drei Geldstücke — immer doch ein Anfang — aber als er sic herausholen wollte, fühlte er einen schweren, dnmpfen Druck in der Brust, und er ließ die Geldstücke fallen und srug den Armenverwalter nur: ob er nichts zu wechseln habe? So ging er von dannen und fühlte so etwas wie eine dunkle Betrübnis. Er ging aufs Dorf und machte Geschäfte. Als es dunkel ward, machte er sich auf den Heimweg. Wie es immer schauriger wurde, kam er an den Kreuzweg, und siehe, der kleine Mann in grauem Gewände, mit dem Breitel und den großen, brennenden Augen kam daher geschritten, aber in der linken Hand hatte er diesmal einen ledernen Beutel, darin sich etwas leise bewegte. Er trat näher und sprach: „Scholaum aleichem, gebt einem armen, alten Manne was!" Eiseck stand eine Zeit lang sinnend da und antwortete: ,,Geben? Möcht euch wohl was geben . . ." „Nun, so gebt mir was, die kleinste Kupfermünze, ich Hab heut den ganzen Tag noch nichts gegessen . . . und ich 'will es euch gar sehr vergelten ..." . Eiseck zögerte noch einen Augenblick, faßte in die Tasche und sprach: „Möcht euch wohl was geben, aber ... ich kann nicht . . ." „Nun, so seid verdammt, ihr, mit dem Herzen von Stein, und behaltets und tragts, so lang ihr lebt . . ." Wandte sich und war verschwunden. Da war es mit einem Male dem Eijeck klar, und da drinnen pochte und hämmerte es ihm nicht, aber es lag schwer und immer schwerer ihm in der Brust, denn er wußte nun, er habe ein Herz von Stein. Und da ging er heim und begann sich dennoch zu grämen und härmte sich ab auf seinem einsamen Lager, daß er einen Stein in der Brust habe, und fühlte ein immer größeres und herberes Gebreste, und lag krank danieder, und niemand ließ sich bei ihm blicken. Als er gestorben war, kamen die barmherzigen Brüder und wollten ihn waschen und be-

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