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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 2 (1905) · p. Seite 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
2 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 20 (sequence 6)
Language
German
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20 JUNG ISRAEL. nicht, daß er ein steinernes Herz in der Brust, nur war es ihm da so schwer, wie nicht zuvor, aber er glaubte, das Ware der Schlaf noch. Er wußte es nicht, und keiner wußte es. Aber seit diesem Tage war es doch ganz anders mit dem Eiseck. Bis jetzt hatte er die größte Freude gehabt, wenn er einen guten Handel gemacht, und wenn er dann die gewonnenen Batzen zahlte und wegschloß- oder wenn er überhaupt seinen heimlichen Schatz hervorholte und langsam in Haufen gleichartiger Münzen teilte, bis er genug gesehen. Wie das wuchs und wuchs, fühlte er die höchste Wonne. Aber das war jetzt anders. Die Freude war geschwunden. Hatte er was verdient und erworben, so war es ihm wie ein Zentner in der Brust, und es drückte und drückte ihn, daß dies lange noch nicht genug, um so und so viel zu sein, und er fühlte eine unerträgliche Last, bis er so und so viel erschwungen hätte, daß es ihn nicht ruhen und rasten ließ; und wenn er dann dies „so und so viel" hatte, so war es ihm unterdes klar geworden, er müsse gerade noch einmal so viel haben, und darüber war die Freude weg und der Druck und die Last in der Brust noch einmal so groß. Niemand sah ihn mehr lachen, niemand weinen, sondern stets nur arbeiten, außen wie innen, und zumeist die rechte Hand an der linken Brust. Da Eiseck endlich ein hübsches Vermögen besaß, dachte er ans Heiraten. Aber im Herzen war es ihm da nicht, wie einem Freier, der das Glück des Lebens vor sich sieht, sondern es drückte ihn nur die Sorge, ein recht vorteilhaftes Geschäft damit zu machen. Endlich fand er eine reiche Jungfrau, reich an Jahren, Keifen und Gut; sie hatte ein hübsches Häuschen und wohl über hundert polnische Gulden bar. Die Hochzeit wurde gefeiert, und die Jungfrau ließ es hoch hergehen dabei, hatte sich sehr herausgeputzt und viele Freunde „genötigt", und sie hieben wacker in den Braten ein und tranken ihr Gläschen Anis und Kümmel dazu und ließen das Brautpaar hochleben, und der „Spaßmacher" brachte alle seine Witze an — alles jubelte, nur Eiseck schwieg, hielt die Hand an die Brust und berechnete die Kosten gegen die erhaltenen Geschenke, die Teller, Taffen, zinnernen Löffel und so weiter. Nach Jahresfrist wurde ihm ein Sohn geboren. Aber Eiseck hatte keine Freude daran, sondern dachte nur an die vielen Kosten, und daß seine Frau lange Zeit nicht im Geschäft helfen konnte. Es dauerte aber nicht gar lange, so kränkelte das Kind und schwand hin und starb. Aber am Begräbnistage kam keine Träne aus dem Auge des Vaters, und er ging zum „ewigen Hause" seines Kindes und von dannen schweigsam wie immer.

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