Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 11 (1905) Jung Israel
- Issue
- 2 (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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JUNG ISRAEL. 19 so dämmerig und immer schauriger wurde, kam bei einem Kreuzweg ein kleines Männlein daher; es war nur ein anderthalb Fuß hoch, aber doch ganz eben gebaut, hatte ein graues Kleid an von oben und unten, und einen Breitel auf dem Kopf, darunter aber große Augen hervorbrannten. Kam ganz nahe und blieb dann stehen und sprach: „Scholem aleichem, gebt einem armen alten Manne was!" Sprach Eiseck: „Was? geben? Ich habe selber nichts, gebt mir was!" — Aber da stieß, weil er ärgerlich worden, sein Fuß an einen großen Stein am Wege, und das Geld klimperte gewaltig in der Tasche, daß man es weit hätte hören können. „Du hast nichts, und das Geld in der Tasche straft Dich Lügen . . . habe Mitleid, ich Hab noch nichts gegessen den ganzen Tag, und Du bist doch ein Jude und ich auch . . . „Ei was da, ein Jude, ein Lump seid Ihr, geht mir aus dem Wege, das Geld in der Tasche gehört nicht mir, sondern den Leuten, die mir Ware geborgt, und es sind doch nur Knpferpfennige . . . Und wieder stieß im Fortgehen sein Fuß an einen andern Stein, und es klimperte wieder in der Tasche, und man hörte deutlich das Silber, denn es klang, und beinah klang es, als ob auch ein Goldstück darunter. Aber er achtete nicht darauf, stieß die Hand tiefer in die Tasche und faßte das Geld, daß es nicht klimpere. Er wandte sich und ging seines Weges. Aber der Kleine ging ihm nach; und Eiseck eilte von ihm zu kommen, aber es half nichts, lief er, lief dieser auch, blieb er stehen, sich zu verschnaufen, blieb der Kleine auch stehen und schnaufte. Eiseck aber ward immer müder und müder, und endlich konnte er nicht weiter und warf sich an einem Hügel trotz des Taues nieder, und wahrhaftig! er schlief schon. Alsbald machte sich der Graue über ihn her, — Ihr meint wohl, er nahm ihm das Geld aus der Tasche? Gott bewahre! aber er holte ein scharfes, blitzendes Messer aus seinem Röckchen und öffnete die Kleider Eiseck's und tat ihm einen großen Schnitt in die Brust, ohne daß es blutete, und holte ihm das Herz aus der geöffneten Brust, und dann nahm er einen ledernen Beutel und tat das Herz hinein und holte einen mächtigen Stein und tat diesen in die Brust Eiseck's an dieselbe Stelle und schloß die Brust wieder zu, ohne daß ein Blutstropfen verloren gegangen, und ging von dannen und war um die Ecke verschwunden. Jetzt erwachte Eiseck und hatte von allem dem nichts gemerkt, griff schnell in die Tasche, ob sein Geld noch darin, und nach seinem Bündel und ging rasch nach der Stadt. Also wußte Eiseck gar