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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 2 (1905) · p. Seite 18

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
2 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 18 (sequence 4)
Language
German
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18 JUNG ISRAEL. Aer Kann mit öem ßeinernen Ker^n. VON UUDAVIO RNIUIRR80X. War Einer aufgewachsen in großem Elend, Eiseck genannt. Vater und Mutter waren früh gestorben, Bruder und Schwester hatte er nicht, die ganze Hinterlassenschaft bestand in einem abgegriffenen Gebetbuch, einem schmutzigen Gebetmantel und verschimmelten Gebetriemen. Er war so 'rumgestoßen worden in der Gemeinde von Hütte zu Hütte, daß er mager aufschoß vor Hunger und verkümmert vor Mangel an Pflege. Aber er ward auch früh pfiffig im Handel und Wandel und lernte bald einige Pfennige verdienen, und was noch mehr ist, lernte diese erhalten und wieder verwenden in immer bessere Ware; weswegen er auf das Geld große Stücke hielt, und selbst als er erst solches hatte, doch lieber darbte und sparte. So ward er ein begüterter Junge, ehe es einer wußte, aber ohne daß man es wußte, traute man es ihm zu. Er war verschlossen und wollte keinen Freund haben, denn er dachte: Hab ich doch keinen gefunden, als ich ihn nötig hatte; verschlossen war sein Herz und der Gedanke an seine frühere Not öffnete es nicht für fremde Not, denn er dachte: Hab ich doch auch kaum einen Helfer getroffen; kein Wunder, daß auch seine Taschen verschlossen waren für öffentliches Bedürfen und für Bedürftige. Mochte einer bitten und flehen, er ließ ihn umkommen um ein Glas Wasser. Freilich hörte er, daß „Almosengeben vom Tode rette", aber er war ja noch nicht so weit; und daß „Almosengeben, von der Strafe befreie", aber er glaubte nicht gesündigt zu haben, da er streng die frommen Bräuche hielt, wie es dazumalen noch Sitte war bei allen Juden; und daß „der Herr tausendfältig wieder vergelte" — das machte ihm freilich einige Bedenken, denn „tausendfältig" ist ein gar gutes Geschäft — aber das mußte er doch einmal durchprobieren, und die Probe, das war das Übel, da hätte er doch einmal erst geben müssen, und das hätte ihm das Herz abgedrückt. So ging er und wuchs an Jahren, was ihm jeder ansah, und an Gut, was ihm keiner ansah. Einmal ging er, nachdem er fast sein ganzes Päckel sehr vorteilhaft, nicht an den Mann, aber an die Leute gebracht, ging er in der Abenddämmerung vom Dorf zur Stadt, worin seine Heimat; er plärrte und pfiff heiter vor sich hin, denn das kostet nichts, zuletzt sang er irgend eine Synagogenmelodie; seine Hand in der Tasche, worin viel Geld, aber bei Leibe klimperte er nicht, denn das hätte wer hören können, und er ging darum auch sehr vorsichtig und setzte den Fuß langsam nieder. Wie es

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