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Israelitischer Jugendfreund · 1905-01-01 · 1 (1905) · p. Seite 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
11 (1905) Jung Israel
Issue
1 (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 7 (sequence 14)
Language
German
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JUNG ISRAEL. sie, und ihre Flügel flatterten vor Angst. Ein paar wurden vor Schreck ohnmächtig, ein paar wären fast von Sinnen geworden. Denn Gott wartete ein wenig damit, Adams Schicksal zu entscheiden. Cherubim, Ihr wißt ja, das sind kleine Enge! mit feinen Flügelchen und Kinder-Gesichtchen. Gute, gar gute Eng'elchen sind das. So mitleidige Seelchen haben sie! Wenn sie nur von irgend einem Unglück hören, weinen sie schon. Jeden und jedes haben sie lieb, und auch sich selbst haben sie lieb, so innig lieb, daß sie klagen und jammern und zittern und ganz außer sich geraten vor Schreck, wenn sie Furcht bekommen, es könnte ihnen — Gott behüte! — etwas Schlechtes geschehen . . . Solche Engel sind das. Aber Menschen sind einander nicht gleich, und auch Cherubim nicht. Es gibt unter ihnen gute, sehr gute und ganz, ganz gute . . . Und als das Paradies erfüllt war vom Rauschen der Cherubim, die mit ihren sechs zitternden Flügelchen gar ängstlich flatterten und zappelten, da stand abseits ein Cherub und sah still, ganz still mit seinen blauen Augen auf Adam. Eigentlich haben alle Cherubim blaue Augen, und doch hat jeder andere. Augen, das sind Spiegel. Und es gibt klare, sehr klare und dunkle, sehr dunkle Spiegel. Der Cherub aber, der abseits gestanden hat, der hat ganz absonderliche Augen gehabt, die haben geleuchtet und nickt nur Licht ausgenommen, sondern auch Licht ausgestrahlt überallhin . . . Und mit seinen krystallklar blauen Augen blickte der Cherub auf Adam und Eva, die da bitterlich weinten und soviel Tränen vergossen, daß zu ihren Füßen ein kleines Tränen-Bächlein floß. Denn die Erde, meine lieben Kinder, wollte die Tränen nicht aufsaugen. O, die Erde ist gut! Alle Bauern in den Dörfern wissen das. Doch was glaubt Ihr, Kinder? Unser Cherub hatte keine Ahnung, was da sind: Tränen, Sünde, Strafen . . . Und hat sich nicht wenig gewundert, als er hörte und sah, wie alle Cherubim zitterten. „So spielen sie mit ihren Flügeln," dachte er — „o gute Närrchen, die ein so lächerliches Spiel ausgedacht haben! Man kann nur müde werden davon." So meinte er bei sich. Doch er fragte einen Cherub, einen zweiten und einen dritten. Allein keiner antwortete. Wie denn anders? Wie soll man Antwort geben können, wenn man zittert und zappelt vor Schreck. Unser Cherub dachte: Ich will Adam fragen, und er ging auf ihn zu und fragte ihn. Adam antwortete ihm jammernd und das Gesicht in die Hände vergraben: „Aus dem Paradies vertreibt mich Gott und stößt mich in die weite, finstere Welt, weil ich gesündigt und vom Baum der

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