Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 24 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 366 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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366 zergingen. Das war so hübsch kühl und doch weich dabei, und schmeckte, wie sie meinte, ordentlich süß, wie Milch. Da kam einmal der Oufel Oberförster aus dem Walde zum Besuch und sah, daß Hilly Schneeflocken speiste. „Ei, Kind," sagte er, „was thnst Du da? Weißt Du nicht, daß in jeder Schneeflocke eine kleine Elfe wohnt? Die muß ja sterben, wenn sie Dir auf die Zunge fällt ltnb zergeht. Dann kommen ihre Schwestern, sie zu suchen, und wenn sie merken, daß Du das Flöckchen berspeist hast, dann werden sie Dich bestrafen, wohl gar mit fortnehmen. Nimm Dich nur in acht!" Aber der Onkel machte immer Spaß, und Hilly glaubte ihm nicht, was er von den Flocken sagte. Eines Nachmittags nun kniete sie bei einbrechender Dunkelheit auf den: Stuhl am Fenster und sah den Schneeflocken zu, welche einen tollen Tanz aufführten. Ja, es schien ihr, als würde das Gewirbel immer ärger und als drängten alle Schneeflocken gegen das Fenster, an welchem sie stand. Da fiel ihr ein, daß der Onkel Oberförster gesagt hatte, die Flocken würden ihre Schwestern bei ihr suchen. „Ach, ihr!" sagte sie und streckte ihre kleine Zunge hervor, „was wollt ihr von mir? Da, da! Ist Schnee auf meiner Zunge? Nein, nicht so viel! Sie weiß von keinen Flöckchen. Da!" Und wieder kam die Zunge heraus. Aber was war denn das? Ganz deutlich hörte sie jetzt ein feines Gewisper: „Das ist sie! Das ist sie! Sie hat unsere Schwestern gefangen und verzehrt; nehmt sie mit, nehmt sie mit; sie muß bestraft werden!" „Dummes Zeug!" sagte Hilly. „Das Fenster ist zu, ihr könnt gar nicht zu mir herein." „Doch, doch!" wisperten die Flocken. „Der alte dUlßbanm vor dem Fenster hilft. Wir setzen uns zu so vielen auf seinen dicksten Zweig, bis der gegen das Fenster drückt; dann macht das Fenster: Klirr-" Hilly wollte ausschreien; da hatten sie aber die Flocken schon um und um eingehüllt und trugen sie fort, weit, weit weg von Vater und Mutter und von ihren Puppen, die am schönen warmen Ofen saßen und nach ihr verlangten — o, wie sie fror, sie wollte nach Hause, zurück zur Mutter — Da sagte ans einmal des Vaters Stimme dicht neben ihr: „Seht nur, der alte Nußbaum hat wahrhaftig unter der Schneelast das Fenster eingedrückt!" Hilly rieb sich die Äuglein und blickte erstaunt um sich. Auf dem Fensterbrett lag ein Häufchen Schnee, und ein paar dicke Flocken waren auf ihr Köpfchen gesprungen. Lächelnd streifte der Vater dieselben ab und nahm dann sein Töchterchen ans den Arm, um es zur Abendsuppe zu tragen. Hilly war am Fenster, die Schneeflocken betrachtend, müde geworden, war eingeschlafen und hatte geträumt.