Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 24 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 357 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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357 Und jener sagte: „warum haben denn die Babylonier so garstige kugelrunde Aöpfe?" hillel, der selbst ein Babylonier war und den absichtlichen Spott merkte, entgegnete ruhig: „Das ist eine ganz vernünftige Frage, die ich dir auch deshalb beantworten will. Die babylonischen Ainderwärterinnen sind sehr ungeschickt und verschulden diese Mißbildung des Aopfes." Der Fragesteller ging und kehrte nach einer Stunde mit großem Lärm zurück, wie zuvor schrie er: „hillel, es ist jemand da!" Wieder kam der weise heraus und sprach: „was ist dein Begehren?" Jener: „Ich habe eine wichtige Frage." „Frage mein Sohn!" „warum", fragte der Grobian, „haben die Bewohner Palmyras Triefaugen?" hillel: „weil sie weite Sandsteppen bewohnen." Der Fremde geht, kehrt aber nach einer Stunde wieder geräuschvoll zurück, und als hillel abermals öffnet, fragte er: „warum haben die Afrikaner so breite Plattfüße?" hillel antwortete geduldig und ohne den geringsten Unwillen: „Tine wichtige Frage, die du stellst. Deshalb, weil sie auf morastigem Boden gehen." Der Frager fuhr fort: „Ich hätte dich noch viel zu fragen, aber ich fürchte, du wirst zornig werden." Da setzte sich der weise zu ihm und sprach: „Frage nur, mein Sohn." Und jener fragte: „Bist du der Patriarch hillel?" „Ja, mein Sohn." „Gebe Gott, daß es nicht viele Männer in Israel gäbe, die dir gleichen." „warum, mein Sohn", fragte hillel in sanftem Tone. „weil ich durch dich ^00 Sus verliere." Darauf erhob sich der weise und sagte: „Besser, du verlierst ^00 Sus, als daß hillel sein Geduld verliert." Dieses ist nicht das einzige Beispiel seiner „Taubensanftmut." Der Talmud führt noch manches andere an. Zu hillels Zeit neigten sich viele Römer dem Judentums zu, weil sie die Nichtigkeit des Heidentums erkannt hatten. Lines Tages kam ein Römer zu Schammai mit der Bitte um Aufnahme in das Judentum. Lr stellte jedoch die Bedingung, daß ihm die Befolgung der mündlichen Lehre erlassen bleibe, während er die schriftliche anerkennen wollte. Der heftige Schammai jagte ihn unwillig fort, hillel ging scheinbar auf des Römers Vorschlag ein und begann mit ihm den Unterricht in der heiligen Sprache. Am ersten Tage lehrte er ihn das Aleph-beth in der bestimmten Reihenfolge, doch am zweiten Tage gab er den Buchstaben eine andere Bezeichnung.