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Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 24 (1898) · p. Seite 356

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
24 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 356 (sequence 6)
Language
German
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356 Seine Demut und fein tiefes Gerechtigkeitsgefühl werden gekennzeichnet durch fein Wort: „Setze kein vertrauen in dich bis zu deinem Todestage, Richte deinen Nebenmenschen nicht, bist du in seine Lage gekommen." Weil er in der Renntnis und Befolgung der Thora die (Quelle des wahren Glückes gefunden hatte, lehrte er: „Wer einen guten Ruf erworben, der hat etwas für sich erworben, hat er sich aber die Worte der Thora erworben, dann hat er das ewige Leben erworben." Bei einer andern Gelegenheit sagte er: „Lin ausgebreiteter Ruf, ein gefährlicher Ruf; wer nicht zunimmt, nimmt ab, wer keine Lehre achtet, hat das Leben verwirkt, und wer sich der Arone zum Ligennutz bedient, vergeht." Um feine Schüler vor manchen Untugenden zu warnen, lehrt er auch: „Lin sittenloser Mensch scheut nicht die Sünde, ein Unwissender besitzt keine wahre Frömmigkeit, der Schüchterne lernt nichts, und wer jähzornig ist, taugt nicht zum Lehrer." In dem letzten Ausspruch ist wohl auch LMels Sanftmut begründet. Trotzdem er so sanft und mild war, sind dennoch einige herbe Worte seinem Munde entfahren. Sie geißeln die traurigen Zustände seiner Zeit und sind nur der Ausdruck seines Schmerzes darüber. Linst sah er einen Menschenschädel auf dem Wasser schwimmen. Da rief er aus: „Weil du jemand ertränkt hast, bist du ertränkt worden, und wer dich ins Wasser gestürzt hat, wird selbst ertränkt werden." Nicht minder herb ist auch sein Ausspruch, in welchem er die Nichtigkeit der irdischen Güter, wonach seine Zeitgenossen vielfach jagten, gegenüber der Beständigkeit des himmlischen Gutes hervorhebt. Lr lehrte: „viel Fleisch — viel Gewürm; viel Gut — viel Sorge; viel Sklaven — viel Diebstahl; aber viel Studium — viel Leben; viel Arbeit — viel Weisheit; viel Nachdenken — viel verstand; viel Recht — viel Frieden." Lr beurteilte die Menschen mit Milde und Schonung und stets nach ihrer verdienstvollen Seite. Seine Geduld und Sanftmut stellten ihn zum sprichwörtlichen Muster für alle Zeit hin. Der Talmud erzählt: Zwei Männer gerieten in Jerusalem in Streit. Der eine rief: „400 Sus soll derjenige erhalten, der den lchllel in Zorn bringt." „Ich nehme es auf mich!" rief der andere. Ls war gerade ein Freitag, und hillel war damit beschäftigt, sich für den Sabbat vorzubereiten. So zur Unzeit pochte jemand an der Thür, und ohne die dem Weisen und Fürsten gebührenden Lhrenbezeugungen schrie jener: „hillel! hillel! Ist hillel da?" Dieser ging hinaus und fragte: „was willst du, mein. Sohn?" „Ich habe eine Frage an dich," antwortete der Grobian. „So frage denn, mein Sohn."

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