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Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 24 (1898) · p. Seite 355

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
24 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 355 (sequence 5)
Language
German
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wirst essen und satt werden." (5. B. M. 11,15). Das Tier wird hier dem Menschen vorangestellt: es ist zuerst zu befriedigen, denn es kann nicht wie der Mensch fordern, wenn es hungrig ist. Deshalb hat auch Rebekka auf die Frage Eliesers, ob im Hause ihres Vaters Raum für ihn zum Übernachten sei, geautwortet: „Sowohl Stroh als Viehsutter ist bei uns, als Raum zum Überuachteu," ft. B. M. 24,25), zuerst gedachte sie des Viehs. Der Patriarch Rabbi Jehuda, der Sammler der Mischnah, so erzählt -er Talmud (Bab. Mizia 35), war lange Zeit schwer krank. Seine Krankheit begann mit einem Begegnis und endete mit einem solchen. Ein Kalb, das zum Schlachten gefi'chrt werden sollte, war zu Rabbi Jehuda gelaufen und hatte blökend den Kopf in seinen Schoß geborgen. Rabbi Jehuda stieß es weg mit den Worten: „Geh! dazu bist du geschaffen;" an diesem Tage begann sein Leiden! — Nach langer Zeit bemerkte er, daß seine Magd junge Wiesel zusammen kehrte und sie töten wollte. Er rief ihr zu: „Laß sie! Gottes Erbarmen erstreckt sich über alle seine Geschöpfe." (Ps. 145,9). Mit diesem Tage begann seine Genesung. — Line Lebensgeschichte von S. Ratz. (Schluß.) Sechstes Kapitel. Das Gedächtnis des Gerechten ist zum Legen. Lpr. Lal. Die Sprüche der Väter erzählen von hillel, daß neben seiner großen Weisheit ihn noch drei andern Tugenden schmückten: „Tin wohlwollendes Auge, ein bescheidenes Gemüt und ein demütiger Sinn." Wäre hillel ohne diese Vorzüge der Weise? Das Gebot der Nächstenliebe galt ihm als höchstes Gesetz, und er betrachtete es als Fundament der ganzen Lehre, alsereinem Heiden antwortete: „Was dir mißfällt, thu deinem Nächsten nicht; dies ist die ganze Lehre, das andere ist nur dessen Erklärung; geh und lerne weiter." Dieselbe hohe Gesinnung spiegelt sich wieder in seinem Spruch: „Bin ich nicht selbst für mich, wer ist dann für mich? Bin ich nur für mich, was bin ich dann? Und wenn nicht jetzt, wann denn?" Er empfiehlt darin als die drei Haupttugenden des Menschen: Thätigkeit, Nächstenliebe und Gottesfurcht. Wie sehr hillel von der Bedeutung des Friedens und des Rechtes als Grundbedingung für das heil der Menschheit durchdrungen war, lehrt sein Ausspruch: „Liebe den Frieden, jage dem Frieden nach, liebe die Menschen und bringe sie der Gotteslehre und dem Rechte näher."

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