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Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 23 (1898) · p. Seite 343

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
23 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 343 (sequence 9)
Language
German
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Richtungen es anerkennen sollte, ob die milde Gesetzauslegung hillels oder die strenge des Schammai, stellte in den meisten Fällen Dilles Lehrmeinung als bindende gesetzliche Bestimmung oder halacha fest, nach der jeder sich zu verhalten hatte, wollte er nicht eine Schuld auf sich laden. Als lehrreiches und nachahmungswürdiges Beispiel giebt der Talmud den Grund an, warum man Mittels Ansicht in den meisten Fällen den Vorzug gab. Es geschah dieses als Lohn dafür, weil er und seine Schüler freundlich und duldsam waren, auf die Worte der Schammaiten gebührende Rücksicht nahmen und diesen sogar die Stelle vor ihren eigenen einräumten. Daran knüpft der Talmud die herrliche Lehre: „wer demütig ist, wird von Gott erhöht, wer stolz ist, wird erniedrigt." Durch diese Nachgiebigkeit und dieses Entgegenkommen wurde eine Zwiespalt in der großen Waffe des Volkes verhütet; denn sie vergaßen in der Verfechtung ihrer entgegengesetzten Ansichten niemals die heilige Pflicht als Freunde der Religion nach der Aufrechterhaltung des Friedens zu streben. „So blieb dieser Streit" nach den Sprüchen der Väter „ein Streit um des Himmels willen, also nicht aus Streitsucht, sondern aus dem Hähern Zntereffe für die Wahrheit", Hillels Thätigkeit als Fürst' erstreckte sich nicht allein auf das religiöse Gebiet, sondern erschuf auch auf dem Gebiete der bürgerlichen Gesetzgebung, besonders auf dem des Leih- und verkaufsgeschästes einige Neuerungen, welche in erleichternder weise zwar den Buchstaben des Gesetzes umgingen, dafür aber mehr dem Geiste des Gesetzes entsprachen. Zn diesen Einrichtungen zeigte er trotz seines sanften, nachgiebigen Wesens Entschlossenheit und Festigkeit. Durch Hillels Wirksamkeit nahm das religiöse Leben und wissen einen mächtigen Aufschwung, unbehindert von den unheilvollen Ereignissen, welche ganz Zudäa erschütterten. Das Volk hatte in der pflege des Glaubens, in der Kenntnis des Gesetzes und der Lehre die wesentlichen Vorbedingungen seines Daseins erkannt. Es war - zu 'der Einsicht gelangt, daß sein Recht, seine Lebenssitte und Lebensgewohnheit nur in dem Boden der Religion wurzeln. Und so war in Wirklichkeit die heilige Lehre „ein Baum des Lebens geworden, der Leben dem verlieh, der sich an seinen Früchten labte", wer unter seiner schattigen Krone sich barg, fand Schutz und Schirm vor Sonnenbrand und Wettersturm. (Schluß folgt.)

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