Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 23 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 342 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— 342 — hedriums begann eine gesetzgeberische Thätigkeit dieser beiden Männer, die in jeder Beziehung segensreich war. Bei der Auslegung des Gesetzes traten aber bei ihnen Meinungs- Verschiedenheiten hervor, die sie auseinander führten, ohne jedoch ihre Eintracht zu stören. Sie gründeten für sich besondere schulen, die unter dem Namen Beth*) hillel und Beth Schammai bekannt sind, worin jeder seine eigene Lehre vor dem Volke vertrat. Dieses entschied durch einen Mehrheitsbeschluß die Annahme oder Verwerfung der religiösen Ansicht des einen oder des andern. Einig in dem Bestreben, die Lehre und den Glauben vor der Gefahr des Niederganges zu bewahren, waren hillel und Schammai doch über das Ruttel der Rettung entgegengesetzter Ansicht, was in der Verschiedenheit ihrer Eharaktere größtenteils begründet war. hillel wollte, entsprechend seiner Sanftmut und Milde, das Gesetz dadurch erhalten, daß er die Strenge desselben milderte, um dem Volke die Befolgung zu erleichtern. Den Ansprüchen und Bedürfnissen des Lebens wollte er trotz seiner Frömmigkeit Rechnung tragen, und er begründete diese milde Gesinnug mit den Morten: „Siehst du ein Geschlecht, dem die Lehre lieb ist, dann streue aus und umkleide alles mit religiösen Formen; lebst du aber in einer Zeit, der die Lehre lästig ist, dann halte zurück, sei bereit und willig zur Nachgiebigkeit." Der fromme, eifervolle Schammai glaubte das Gesetz nur dadurch zu befestigen, wenn es noch durch größere Strenge in seiner Befolgung erschwert werde. Diese Gegensätze führten jedoch nicht zu Streit und Hader zwischen den beiden Häuptern des Synhedriums. Der Frieden und die Eintracht blieben zwischen ihnen bestehen. Diese bewunderungswerte Thatsache findet ihre Erklärung darin, daß hillel in der Achtung, Gunst und Bewunderung seines Volkes so hoch stand, daß er in den meisten Fällen die Mehrheit der Stimmen für sich hatte. And ebenso wie er sich demütig unterordnete, wenn die Überzahl gegen ihn entschied, so fügte sich auch Schammai,, um die Eintracht nicht zu stören, denn Eintracht und Friede waren ihm Förderung der Religion. Der Talmud erkennt dies lobend an, denn er erzählt: „Die Schulen hillels und Schammais, in fortwährenden religiösen Streitigkeiten mit einander, teilten Israel in zwei große Parteien. Eine Schule erklärte viele Sachen für unrein, welche die andere für rein hielt; jene erklärte manches für ungesetzlich, was die andere erlaubte. Und dennoch lebten die zwei Parteien. und die zwei Schulen einträchtig miteinander, sie aßen zusammen gingen miteinander um und schlossen Ehen untereinander." Das Volk, welches darüber zu entscheiden hatte, welche der beiden