Mannheim
Compact Memory

Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 23 (1898) · p. Seite 341

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
23 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 341 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9620171-9622086-9622527--1309-9622534
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

841 Wie fam es, daß der bescheidene, demütige hillel, der sich nie in den Vordergrund gedrängt hatte, zu dieser hohen Würde gelangt? Seine mit Demut ertragene Armut, seine erhabene Weisheit, seine tiefe Kenntnis des Gesetzes und der Tradition, die Sanftmut seines Wesens, seine Friedfertigkeit, Gerechtigkeit, Frömmigkeit und Wohlthätigkeit ließen ihn in den Augen des Volkes als den Mann erscheinen, der allein würdig war, der Nachfolger eines Schemaja und Abtaljon in der Fürstenwürde zu sein, um als geistiger Führer Israel wieder durch die Lehre zum Lichte der Reigion zu leiten. Ls zeigte sich hier die Wahrheit des Bibelwortes: „Der Bescheidene erlangt Ehre." Selbst Merodes ließ ihn unverfolgt, obwohl er sah, wie die Gunst des Volkes sich dem Weisen von Babylon zuwandte. Sonst weckte jede Gunftbezeugung, die einem andern galt als ihm, den Neid und Argwohn dieses ränkevollen, grausamen Herrschers. In dem friedliebenden hillel, dessen Friedfertigkeit bereits in ganz Judäa sprichwörtlich geworden war, mochte er aber keinen persönlichen Feind und Gegner erblickt haben. Darum ließ er ihn unbehelligt seines Lehramtes walten und erhob jetzt gegen dessen Einsetzung zum Nasi keinen Einspruch. Die Demut und Bescheidenheit hillels schützte ihn jedoch davor, auf diese Rangerhöhung besonders stolz zu sein; denn nicht dem eigenen Verdienste wollte er diese hohe Stellung zuschreiben, sondern der Unfähigkeit der anderen. Tadelnd sprach er zu den Synhedristen, als diese ihn feierlich in sein einführten: „Was hat es verursacht, daß ich unbedeutender Babylonier Synhedralvorsitzender werden muß? Eure Trägheit, den Belehrungen Schemajas und Abtaljons Aufmerksamkeit zu schenken!" Nur in der zuversichtlichen Hoffnung, durch seine machtvolle und einflußreiche Stellung sein Volk besser zu seinem Gotte und seiner Lehre zurücksühren zu können, nahm er diese hohe Würde an, die einem friedlichen Wanne, der nur der Forschung lebt, leicht zur Bürde wird. Dieser edlen Gesinnung mag er wohl in einem seiner weisen Sprüche Ausdruck gegeben haben, worin er sagt: „Einem Orte, dem es an Männern fehlt, bestrebe dich als Wann vorzustehn!" hillel war der rechte Mann zur rechten Zeit. hillel zur Seite stand als Ab beth Din der Effäer Menachem, der auf herodes ausdrücklichen Wunsch zu dieser hohen Würde gelangt war. Und als dieser, der sich in seinem Amte nicht behaglich fühlte, seine Stellung niederlegte, trat Schammai an seine Stelle. hillel und Schammai! — Zwei klangvolle Namen in der jüdischen Geschichte. Die Träger derselben bezeichnen in ihrer Wirksamkeit einen Wendepunkt in der religiösen und geistigen Fortentwicklung des .jüdischen Volkes. Mit der Einsetzung hillels und Schammais zu Vorsitzenden des Syn-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.