Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 22 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 327 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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meinem Herrn, und lasse es dir sagen, damit ich Gnade finde in deinen Äugen". Aber die Boten kehrten mit der Nachricht zurück, Esau ziehe ihm mit 400 Mann entgegen. Da geriet Jakob in Furcht und teilte deshalb seine Leute und Herden in zwei Lager, damit das eine sich retten könnte, falls Esau das andere etwa angriff und tötete. Dann sandte er 550 Stück Vieh, in 5 Herden geteilt, seinem Bruder zum Geschenk. Jeder der Hirten aber wurde angewiesen, dem Esau, wenn er nach dem Herrn dieser Herden fragte, zu antworten: „Ich und die Herde gehören deinem Knechte Jakob; es ist ein Geschenk für meinen Herrn Esau; er selbst aber kommt hinter uns." So hoffte er seinen Bruder allmählich zu versöhnen. Aber auch an Gott wandte sich Jakob in heißem Gebete, indem er ihm für bisher erwiesene Gnade dankte und dann um Rettung aus der Hand seines Bruders betete. Nachdem er in der Nacht auch noch seine Frauen ittiö Kinder über den Fluß Jabbok gesetzt hatte, blisb er allein mit seinen Gedanken, mit seiner Furcht und seiner Hoffnung zurück. Da geschah Wunderbares. Ein Mann rang mit ihm. Da er ihm aber nicht beikonnnen konnte, verrenkte er ihm das Hüftgelenk, so daß Jakob am andern Morgen hinkte. Trotzdem ließ Jakob nicht los, sondern verlangte, daß er ihn vorher segne. Da sprach der Mann: „Du sollst fortan nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel < Gotteskämpfer), denn du hast um beu Vorzug gekämpft mit göttlichen Wesen und mit Menschen und hast obgesiegt". Dieser Sieg war für Jakob von guter Vorbedeutung. Als er dann bei Sonnenaufgang Esau herankonnnen sah, ging er ihm entgegen und verbeugte sich siebenmal vor ihm, bis er zu ihm kam. Da schwand Esaus Zorn ganz dahin, er eilte auf seinen Bruder zu, umarmte und kiißte ihn, und beide weinten in brüderlicher Liebe. Esml sah ja ganz deutlich, daß Jakob ihn auch jetzt noch wie den älteren Bruder und Herrn ehrte. Als Jakob ihm seine Frauen und Kinder vorgestellt hatte, fragte Esau, was denn die Herden zu bedeuten hätten, denen er begegnet wäre. „Daß ich Gnade finde in den Augen meines Herrn", erwiderte Jakob. Aber Esau wollte nichts von einem Geschenke wissen, da er selbst genug habe; erst auf Jakobs dringende Bitte nahm er es endlich an. Darauf erbot sich Esau ihn zu begleiten; aber das lehnte Jakob sehr höflich ab, weil er mit seinen Frauen und .Kindern und zmnteil noch jungen Viehstücken mit Esaus 'Leuten nicht Schritt halten könne. Doch versprach er, ihn recht bald in Se'ir zu besuchen. Nun zog Jakob geinächlich nach Kanaan und kaufte sich in Sichem ein Feld, auf dem er sich niederließ und einen Altar errichtete, zur daukbareu Erinnerung an den Beistand Gottes, der ihn glücklich wieder nach Kanaan geleitet hatte. Von Sichem aus besuchte er dann öfter seine Eltern. Er besaß nun soviel, daß er in ihrem Hause nicht mehr bleiben konnte. Aber ein ruhiges und sorgenloses Leben war dem Jakob noch nicht beschieden, denn nun bereiteten ihm seine eigenen Kinder Kummer. So schon