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Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 22 (1898) · p. Seite 325

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
22 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 325 (sequence 7)
Language
German
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325 „Die räule des Morgenrots ist aufgestiegen! Doch hier ini Saale ist es duster, viel dusterer als gewöhnlich, und doch ist der Himmel heiter und klar." Abtaljon und seine Schüler, die in ihrem Lerneifer weder auf die ^>eit noch auf ihre Umgebung geachtet hatten, schauten jetzt umher und hoben ihre Augen auch endlich zum Dachfenster empor. Die starken Männer erblaßten; denn auf den, Pfeiler des Fensters sahen sie einen leblosen Körper liegen, und ein totenbleiches Angesicht war ihnen zugekehrt. Die Schüler stürzten aus dem Saale. Einige beherzte Jünglinge stiegen auf das Dach räumten eine dichte Lage Schnee fort, die den Unglücklichen bedeckte, und siehe da, sie erkannten den armen hillel, erstarrt und sterbend. — Sie trugen ihn eilends hinunter, brachten ihn in ein Zimmer und legten ihn auf ein Bett. Dann aber umstanden sie ratlos sein Lager; denn sie wagten nicht die Miederbelebung zu versuchen, weil heiliger Sabbat war, und sie denselben durch Arbeit nicht entweihen wollten. Da trat Schemaja in den Kreis seiner Jünger und sprach: „Eilet, eilet euch, helfet und arbeitet, hillel wieder zu erwecken; er ist es wert, daß wir um ihn den Sabbat entweihen; denn so wir sein Leben erhalten, wird er uns durch sein ihn: wieder geschenktes Dasein mehr als den Sabbat geben." Uur zu gern folgten die Schüler ihrem frommen Lehrer. Sie badeten hillel, rieben ihn mit Gl und hüllten ihn in Tücher. Endlich wurde ihre UK'ihe belohnt. hillel schlug die Augen auf und schaute im Kreise umher, bis sein Blick auf die beiden würdigen und greisen Lehrer siel. Da verklärte ein glückliches Lächeln sein edles, noch bleiches Angesicht, und ein Strahl der Freude brach aus seinen dunkeln geistvollen Augen. hillel lebte! Er war seinem Volke und seinen Brüdern-zu deren heil wieder geschenkt und erhalten. Freudige Erregung ging durch die Reihen der Jünger, als hillel sich matt von seinem Lager erhob und in ehrfurchtvoller Haltung vor seine Lehrer trat. Mit bescheidenen Morten gab er auf ihre Frage Auskunft, was ihn auf das Dach des Lehrhauses getrieben hatte. Die Hörer blickten auf ihn mit staunender Bewunderung. Als er geendet hatte, wandte sich Abtaljon an seine Schüler, erhob seine Stimme und sprach in prophetischer Begeisterung: „Mahrlich, dieses Babyloniers Thal redet eindringlicher zu uns, als viele Morte es vermögen. Aus ihm spricht der Geist des großen Rabbi Zosua ben Zoeser, der seine Schüler vermahnte: „Trinke mit Durst aus der (Zuelle der Weisheit!" Dieser hillel erfüllt das Mort der heiligen Schrift, das da lautet: „Es soll nicht weichen das Buch dieser Lehre aus deinem Munde. Du sollst dich damit beschäftigen am Tage und in der Bacht, auf daß du beobachtest auszuüben alles, was darin geschrieben steht. Dann

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