Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 21 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 314 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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315 zu erreichen waren, das haben wir schon in der Lebensgeschichte Isaaks gesehen. Mehr Verständnis für alles das zeigte Jakob; deswegen suchte er sich das Recht der Erstgeburt und den Segen des Vaters zu verschaffen; aber für die List, die er hierbei anwandte, mußte er schwer büßen. Denn die 20 Dienstjahre bei seinen: Oheim Laban waren keine angenehmen. Schon der Umstand, daß Jakob, der gern zu Hause blieb und friedlich und gottesfiirchtig in Haus und Hof thätig war, seine Heimat verlassen mußte, war hart für ihn und seine Mutter, deren Liebling er war. Darum tröstet sie ihn damit, daß er nur „einige Zeit" bei ihrem Bruder Laban bleiben solle, bis sich der Zorn Esaus gelegt haben würde. Ihrem Manne Isaak freilich sagt sie die Wahrheit nicht, um ihn nicht zu betrübe::; vielmehr muß Isaak glauben, daß Jakob sich nur eine Frau aus ihrer Verwandtschaft holen soll. Er giebt ihn: also seinen Segen zur Reise und entläßt ihn nach Haran. Mit schwerem Herzen zieht Jakob von dannen. Ein weiter Weg, reich an Entbehrungen, Beschwerden und Gefahren lag vor ihm; und wer wußte, ob er je wieder zurückkehren, ob Esaus Zorn sich jemals legen würde? Aber noch auf dein Boden Kanaans empfängt Jakob, der trotz seiner List gegen Esau doch nur das Gute im Auge gehabt hatte, einen himmlischen Trost. Bei Bethel war es, wo er auf freiem Felde übernachtend in: Traum eine Leiter schaute, deren Spitze an den Himmel reichte; die Eugel Gottes aber stiegen an ihr auf und nieder, und der Ewige stand oben darauf und sprach: ,,Jch bin der Gott deines Vaters Abraham und Isaak; das Land, auf den: du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben. . . . Mit dir und deinen Nachkommen lverden sich segnen alle Geschlechter des Erdreichs. Siehe, ich bin mit dir und behüte dich überall, wohin du gehst, und fiihre dich wieder zurück in dieses Land; denn ich werde dich nicht verlassen, sondern thnn, was ich dir verheißen habe". Dieser Traum enthielt gerade den Trost fiir die sorgenden Gedanken, die ihm durch Herz und Seele gingen. Er erfüllte ihn deshalb mit Ehrfurcht vor Gott, aber auch mit Freude; und voll Dank sprach er: „Wird Gott mit mir sein und mich behüten auf diesem Wege, den ich gehe, und mir Brot geben zu essen und ein Kleid anzuziehen, und werde ich in Frieden heünkehren in das Haus meines Vaters: so soll der Ewige mein Gott sein . . . und von allem, was du mir geben wirst, will ich dir den Zehnten (den zehnten Teil) weihen". Mit dieser Bitte nur um das Notwendigste zun: Leben bleibt Jakob für alle Zeit ein leuchtendes Beispiel der Genügsmnkeit und Bescheidenheit. Getröstet und gestärkt setzt Jakob seine Wanderung nach Mesopotamien fort und gelangt eines Tages an einen Brunnen, um welchen Hirten mit ihren Herden lagern und die Ankunft noch anderer Herden erwarten. Auf seine Frage erfährt er, daß sie aus Haran seien und den Laban wohl kennen, und daß die eben ankommende Hirtin Labans Tochter Rahel sei.