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Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 21 (1898) · p. Seite 308

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
21 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 308 (sequence 9)
Language
German
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309 Wahrheit und des Friedens mußte unter solchem Kampfe leiden, wenn nicht gar zu Grunde gehen. Wo war der Friedensbote, der Fürst und Volk den Frieden brachte? Wo war der Gottesstreiter, der für die Einheit der bedrohten Religion kämpfte, wo der weife Lehrer und Meister, der neue Lebenskraft dem Gesetze gab? Er war nicht mehr fern! Schon stand er vor Jerusalems Thoren, und mit ihm zogen Lehre, Glauben und Frieden. Unter einem der stattlichsten Feigenbäume stehen zwei Männer, ihren Blick zur höhe des Morija gewendet, von welchem der Tempel, wie in ein Lichtmeer getaucht, zu ihnen herüberwinkt. Der eine der Männer erhebt jetzt seine Hand, und nach dem Tempel weisend, spricht er sanft mit verklärtem Angesichte: „Bruder, wir sind in Zion, der Gottesstadt!" Die beiden einsamen Wanderer neigen sich ehrfurchtsvoll im Angesichte des ragenden Tempels. Dann lassen sie sich im Schatten des Feigenbaumes nieder, um von ihrer weiten Wanderung auszuruhen. * * * Um die beiden Fremdlinge war es still und einsam. Die Strahlen der Mittagssonne fielen glühend heiß zur Erde, aber durch das mächtige Geäst des Feigenbaumes vermochten sie nicht zu dringen. Sie störten nicht die beiden sinnenden Männer, die schweigend nebeneinander saßen. Zeder schien mit seinen Gedanken so beschäftigt, als ob er der Gegenwart weit entrückt wäre. Dachten sie an ihre Heimat Babylon, die sie vor Wochen verlassen? Weilten ihre Gedanken bei den Lieben daheim? Dachten sie an ihre Vergangenheit zurück, oder spannen sie Pläne für die Zukunft? Zhr Geist war von allem erfüllt, von der Heimat und ihren Lieben, von der Vergangenheit und der Zukunft. Jetzt huschte ein Sonnenstrahl über das Gesicht des einen Wanderers, und wie aus tiefen Gedanken schreckte er auf und blickte zum Wipfel des stolzen Baumes empor. Dabei wandte sich sein Antlitz der Sonne zu, und man schaute in ein Gesicht von edler männlicher Schönheit und gewinnender Milde. Würde und Verstand, Sanftmut und Leidenschaftslosigkeit lagen in den Zügen, und Begeisterung blitzte aus den dunkeln, jetzt sinnend in die Ferne schauenden Augen des Mannes, der das dreißigste Lebensjahr überschritten haben mochte. Ganz das Gegenteil war die äußere Erscheinung feines Reisegefährten, der einige Jahre älter sein mochte. Auch sein Gesicht war zwar schön; denn es zeigte Ähnlichkeit mit dem seines Gefährten, allein die edle Prägung seines Antlitzes war durch einen stechenden unruhigen Blick und scharf gezogene Linien um die Mundwinkel, wie man sie bei herzlosen

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