Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 21 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 307 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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308 N)allfahrtsfeste. 3n dem anbrechenden Morgendämmerlicht beginnen die Sterneallmählich zu erbleichen. Auf den Gipfeln des Zionsberges und des Morija, die südlich und nordöstlich von Jerusalem sich erheben, lagert noch nächtlichem Grau. Aus dem Thale Josaphat, das vom Morija und dem Mlberg eingeschlossen wird, steigt ein leichter Nebel empor und schwebt geheimnisvoll und düster um die drei festen Mauern, die in einein Umkreise von 272 Stunden Jerusalem umgeben. Noch sind die zehn Thore der Riesenstadt geschlossen, und gleich finster drohenden Wächtern ragen die hohen, starken viereckigen Türme zum wolkenlosen Fimmel empor. Die Bewohner Jerusalems schlafen noch, doch ihr Schlummer erquickt sie nicht; denn auch im Traume der Nacht schweben ihnen die Schreckensbilder der vergangenen Tage vor. Sie sehen die römischen Legionen in den Straßen mit dem Schwerte wüten, erbarmungslos Mann und Frau, Greis und Aind hinmordend. Selbst der heilige Tempel ist von der Brandfackel der Römer bedroht, und der letzte hasmonäische Aönig, Antigonus, endet wie ein gemeiner Verbrecher am Areuze. Weinend stehen sie an der Leiche des Sprößlings einer ruhmreichen Familie, die länger als ein Jahrhundert dem judäischen Volke eine Reihe der tapfersten Aönige geliefert hat. Die mit Blut befleckten Stufen des Thrones steigt ein kühner, ehrgeiziger Fremdling, der Idumäer Merodes hinan. Der Stolz der judäischen Nation war die Gerechtigkeit, und die Hoffnung für ihren dauernden Bestand war die Religion und die heilige Lehre. Die treuen Wächter beider war das Synhedrium. Doch herodes hatte auch diese mächtige Aörperschast vermindert, indem er die meisten hinrichten ließ. Die Macht des Synhedriums war geschwächt. „Der Aönig allein gab Gesetze und erwählte Gerichtshöfe nach Gefallen bei jeder Gelegenheit." So sehen wir nach dem Tode Schemajas und Abtaljons unbedeutende Männer, wie die B'ne Bathyra, an der Spitze des höchsten Gerichtshofes. Das Volk hatte keine berufenen würdigen Vertreter mehr; denn wer zeigte wohl noch den Mut, unter einem herodes Recht sprechen zu wollen! Wer mochte noch über das Gesetz wachen, das ein gewaltthätiger Gebieter mit Füßen trat! Das Volk wurde aber auch von anderen Gewalten zerrüttet, die für dasselbe noch weit gefährlicher waren. Die Gegensätze in der politischen und religiösen Gesinnung der einzelnen Glieder des Volkes traten so schroff hervor, daß endlose Aänipfe im Znnern herbeigesührt wurden. Ts waren hauptsächlich die Pharisäer und Sadducäer, die in ihren Anschauungen und ihrem politischen Verhalten sich trennten. Bald kam die eine, bald die andere Richtung zur Herrschaft und unterdrückte die freie Meinung des Andersdenkenden mit allen Mitteln ihrer Macht. Der Geist des Judentums, dev