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Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 19-20 (1898) · p. Seite 298

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
19-20 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 298 (sequence 20)
Language
German
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298 sucht sich verzehrte. Er sollte Vater und Mutter zurücklassen, um zu forschen und zu lernen! — Zu jeder andern Zeit hätte ihn dieser Gedanke mit jubelnder Freude und Glückseligkeit erfüllt; doch jetzt, — durfte er von ihnen gehen? Der Vater wurde alt und schwach; die Mutter war krank, die Not und Armut wuchs, er aber hatte geholfen für die Familie sorgen. Mer sollte es thun, wenn er nicht mehr daheim war! Seine Stimme zitterte vor innerer Erregung, als er erwiderte: „Laß mich die Sehnsucht nach Gottes heiligem Mort noch weiter still im Herzen tragen. Ich kann Luch jetzt in Eurem Elend nicht verlassen; denn gerade jetzt ist meine Araft gewachsen, daß ich rüstiger schaffen kann im Malde und auf dem Markte, um Euren Lebensabend heiterer zu gestalten. Euretwegen will ich ein Holzfäller bleiben, und das Bewußtsein, Euch eine treue Stütze für das Alter sein zu dürfen, wird mir das hohe Glück ersetzen, das ich im Studium der heiligen Gotteslehre suche." Ehananja schüttelte sein greises Haupt und antwortete: „Und dennoch, mein Rind, bitte ich dich, gehe nach Nahardea, es ist mein und deiner Mutter Munsch. Sorge dich nicht um uns; denn der Allgütige, der uns in den Tagen der Araft geholfen, wird uns auch im Alter stützen. Mein Arm ist noch stark genug, um trockenes Brot und Datteln zu schaffen. Und ist der Areis derer, für die ich zu sorgen habe, nicht kleiner geworden? Deine beiden Brüder weilen in der Ferne, und wenn auch du gehst, so bleiben nur die Mutter und deine zwei Schwestern zurück. Auch diese sind nun so groß, daß sie deine Arbeit übernehmen können. Darum gehe nach Nahardea, und der Herr segne deinen Eifer und Fleiß, daß du einst der Auhm Israels, der Stolz deiner Eltern und die Stütze ihres Alters werdest." hillel stand sinnend und schweigend da. Ein heftiger Aampf tobte in seinen: Innern. Freude und Aummer stritten miteinander. Er sollte sein Vaterhaus verlassen, aus der pflege zärtlich liebender Eltern, die jeden seiner Schritte sorglich behütet und bewacht hatten, sollte er nun heraustreten auf den dornenvollen, steinigen Pfad des Lebens. Die er so innig liebte, um die er sich sorgte Tag und Nacht, sollte er in Not und Armut zurücklassen. Das machte ihn: die Trennung so schwer, und heiße Thränen rollten ihn: über die schmalen,, bleichen Mangen. Aber in seinem Herzen glaubte er den Gottesruf zu vernehmen, der einst an Abraham ergangen war: „Gehe fort aus Deinen: Vaterlande, aus Deinen: Geburtsorte und aus Deinen: Vaterhause. Ich will Dich in ein Land führen, wo Dir das Licht der Lehre aufstrahlen wird, daß durch Dich gesegnet werden alle Deine Brüder, die in Finsternis wandeln". Zwei Tage später sehen wir den jungen hillel bereits reisefertig. Ach, der arme Anabe hatte nicht lange Vorbereitungen zu treffen. Das fadenscheinige dünne Gewand, das er trug, war sein Merktags- und sein Feierkleid.

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