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Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 19-20 (1898) · p. Seite 295

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
19-20 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 295 (sequence 17)
Language
German
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so arm, weit ärmer als wir. Linst hatte sie glückliche Tage gekannt, da war sie so freundlich und liebevoll gegen mich. Jetzt bin ich reicher als sie; denn sie ist krank und aller Mittel entblößt. Rein Mehl ist in ihrem Aasten, kein Wasser in ihrer Tisterne. Ich aber bin gesund, habe Brot zum Essen und Wasser zun: Trinken. Soll ich es nicht mit jener arme» Witwe teilen?" Thränen des Mitleids rollten ihm über die Wangen, und auch die Augen der Eltern füllten sich mit Thränen. Ls waren Thränen der Freude über das edle, mitfühlende Herz ihres Rindes. Sie schloffen ihn in ihre Arme und küßten ihn. „Gott wird es dir vergelten", riefen sie mit freudig strahlenden Augen, denn wer den Armen giebt, leiht dem'»Ewigen." hillel entwandt sich sanft den Armen seiner Mutter und schritt zur Thüre. Besorgt blickte ihm die Mutter nach. „wohin willst du noch so spät, mein Sohn?" rief sie in Angst. Da hob der Anabe bittend seine Augen zu ihr auf und flehte: „Laß mich zu jener Witwe gehen, daß ich ihr Brot und Wasser bringe für die Nacht." Doch die besorgte Mutter antwortete: „Bleibe heute unter dem schützenden Dache unserer Hütte. Siehe hinaus! Schon ist es finstere Nacht. Der Himmel ist von düsteren Wolken muhüllt, kein Sternlein beleuchtet dir den j?fad durch das schaurige, einsame Thal. Bald wird das Wetter mit noch größerer Gewalt Hereinbrechen und deinen schwachen Rörper durchbeben. Der weg ins Thal ist schlüpfrig, voll Dornen und wildem Gestrüpp, da kannst du in der Finsternis leicht fallen und dir Schaden zufügen." Auch diese Besorgnis der guten Mutter wußte hillel zu entkräften mit dem Hinweis auf Gottes Schutz, der über jedem guten Werke wacht. Die Eltern geleiteten ihn bis zur Thür und entließen ihn mit einem Segen. Dort standen sie mm Hand in Hand und blickten voll Angst und Sorge ihrem davoneilenden Sohne nach, bis ihn das Dunkel der Nacht ihren Blicken entzog. Dann erhoben sie ihre Hände betend zum Himmel und sprachen: „Gelobt seist Du, Gott unserer Väter, daß Du uns in unserer Armut so reich machst; denn Du hast uns einen Sohn gegeben, der uns die entbehrten Freuden dieser Erde durch reiche Tugend und Liebe ersetzt. Laß ihn weiter wandeln auf dem j?fade der Frömmigkeit, und gieb ihm Deine Lehre zur Führerin durchs Leben, daß er als Vorbild hoher Weisheit und Tugend seinem Volke einst voranleuchte!" während sie so im Gebete versunken zum Himmel emporschauten, teilte sich die finstere Wolkenwand vor ihnen, und ein leuchtender Stern warf strahlendes Licht zu ihren Füßen nieder. Schweigend schauten sich die Gatten an, bis Thananja mit freudig begeisterter Stimme rief: „Teures Weib! der Herr hat unser Gebet erhört. Siehst du dort den Stern, der die Bacht

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