Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 19-20 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 286 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— 280 — und sagte: „Gott segne dich, mein teures Rind, du Stolz meines Mutter- Herzens, du Licht unseres Hauses!" Die Geschwister umringten ihren Bruder und folgten dann ihren Eltern, die Arm in Arm vor ihnen her in die von einem brennenden Rienspan trüb erleuchtete Hütte traten. Auf einem alten morschen Holztisch, über den ein sauberes Tuch gebreitet war, lag das kärgliche Abendessen. Es bestand aus trocknein Brot, gedörrten Datteln und dem unentbehrlichen Zuman, einem Getränk, welches aus Wasser und Rleie bereitet war. Die Mutter reichte jedem Rinde ein Stück Brot, einige jener Früchte und eine kleine Schale des weißlichen, trüben Trankes. Sie sprachen mit Andacht ihren Segen über das Mahl und ließen es sich munden, als hätten sie die köstlichsten Speisen vor sich; denn Genügsamkeit und Zufriedenheit wohnten in dieser elenden Hütte. Nur der älteste Rnabe, mit Namen Schebna starrte mit finster trotzigem Gesichte nieder auf das trockne Brot. Die Eltern sahen es nicht, aber hillel bemerkte den düsteren Blick. Leise drückte er den: Bruder unter dem Tische die Hand und flüsterte ihm ins Mhr: „Iß auch das Brot der Armut mit Dank gegen Gott, der es Dir -gegeben hat. Laß von Genügsamkeit und Zufriedenheit das Mahl Dir würzen." Doch Schebna antwortete ebenso leise, aber in gereiztem Tone: „Soll ich, der Sproß aus Davids Geschlecht, mich mit Bettlerkost begnügen, während meine Freunde, die geringerer Herkunft sind als ich, im Überfluß schwelgen?" Er wollte weiter reden, doch hillel legte ihm die Hand auf den Mund und entgegnete mit sanften Borwurf: „Dein Wort ist Gotteslästerung, wenn der Herr uns Armut gab, so ist diese nur ein wermutstropfen in dem Becher der Freude, den uns seine Gnade gereicht, indem er uns Gesundheit, Zufriedenheit, einen klaren Geist und ein reines Herz gegeben hat. Dein Sinn ist aber nach Eitlem gerichtet; dich locken Geld und sündhafte Genüsse." Schebna wollte darauf antworten. Da bemerkte er, daß sein Bater auf ihr leises Gespräch aufmerksam geworden war und die beiden Brüder fragend ansah. Er senkte beschälet seinen Blick und verzehrte mit leisem Seufzen sein Abendessen. hillel aber brach von seinem Brote nur wenige Bissen ab und trank seinen Zuman. Den größeren Rest seines Brotes suchte er heimlich in seine Tasche zu stecken. Lhananja hatte es dennoch bemerkt und sprach freundlich: „Mein guter hillel, warum birgst du Brot und Datteln in deine Tasche? Das Aufbewahren stillt nicht deinen Hunger, wahrlich, du bedarfst der Nahrung sehr, und doch entziehst du sie dir um deiner Armen willen. Gott segne dich, mein Rind, um deines guten Herzens willen!" (Fortsetzung folgt.)