Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 19-20 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 283 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 283 — dem Lehrer oder einer höher gestellten Person, so gebührt dieser die rechte Sehe; bei schlechtem Zustande des Weges überlasse ihr den besseren Teil desselben! Mit Bekannten in der Mitte der Strasse oder des Gehweges stehen zu bleiben, wodurch andere Leute gezwungen werden auszuweichen, ist nicht blos unschicklich, sondern in einzelnen Städten sogar polizeilich verboten. Stöcke und Schirme u. s. w. unter dem Arme zu tragen ist unpassend und auch gefährlich, wenn eine grössere Zahl von Personen auf gleichen Gehwegen sich bewegt. Bist du in einem Pferdebahnwagen, in welchem Mangel an Sitzplätzen ist, so überlasse alten Personen und auch Frauen das Vorrecht auf dieselben. (Fortsetzung folgt.) Line Lebensgeschichte von S. Ratz. Erstes Kapitel. Lin frommes Rind. in kühler l)erbstabend war über die Auren Babylons hereingebrochen. Dichter Nebel umsäumte die ragenden Gipfel der Berge, und in den Thälern ballte er sich zu dunstigen Massen zusammen. Finstere Wolken türmten sich am Fimmel aus, und unheimlich rauschte es in den Bäumen eines dichten Waldes, aus welchem dumpfe Axtschläge herüberklangen. Die Holzfäller, die den ganzen Tag rüstig im Walde gearbeitet halten, strebten ihren Hütten zu. Nur der wegen seiner Frömmigkeit in der ganzen Umgegend bekannte Thananja wollte sein Tagewerk noch nicht beschließen. Da jagte ein Windstoß durch das Gezweig der Bäume, und bald stürzte ein dichter Regen hernieder. Nun mußte auch der unermüdliche Thananja seine Art niederlegen. Tr that es mit leisem Widerstreben; denn er hätte gar zu gern noch weiter geschafft. Seufzend trocknete er sich den Schweiß von -er Stirn, und mit der schwieligen Faust wischte er sich die Regentropfen vom Angesichte. Neben ihm stand ein etwa 13 jähriger schöner Knabe, der mit einem sanften Blicke unsäglicher Liebe und Teilnahme zu ihm auffchaute. „Ich bitte dich, Vater," flehte er mit weicher Stimme, „laß die Arbeit ruhen und das Tagewerk für heute vollendet sein. Blicke nur aus zum Himmel. Dort im westen ist die Sonne schon zur Ruhe gegangen, sie mahnt auch dich zur Rast."