Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 19-20 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 282 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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282 Anstand. nstand nennen wir das schickliche Benehmen in allen Verhältnissen des Lebens, namentlich in gesellschaftlichen Beziehungen. Anstand und Höflichkeit sollen in der Güte des Herzens begründet und nicht ein blosses Nachäffen von Förmlichkeiten sein. Der wahrhaft Höfliche ist immer bescheiden und vermeidet, sich vorzudrängen und glänzen zu wollen; fern ist ihm daher ein anmassender Ton, eine herausfordernde Sprache, eine Unterhaltung, die sich nur um seine Person dreht. In achtungsvoller Bescheidenheit, in zuvorkommender Dienstfertigkeit, in herzlicher Teilnahme an Leid und Freud' seiner Mitmenschen bekundet er wahren Anstand, der ebenso fern ist von übertriebenen Höflichkeitsbezeigungen, wie rücksichtslosem und plumpen Benehmen gegen andere. Dies sollen auch dir, lieber Leser, die Richtpunkte sein in deinem Verhalten gegenüber deinen Nebenmenschen! I. Vom Grüssen. Wer einem Fremdling sich nicht freundlich mag erweisen. Der war wohl selber nie in fremdem Land auf_Reisen. Rucken. Dein Gruss sei stets ehrerbietig und bescheiden allen Personen gegenüber, denen du einen Gruss schuldest! Zieh deinen Hut oder deine Mütze anständig und höflich ab, lüfte sie nicht bloss, als ob du Spatzen darunter hättest; grüsse nicht erst im letzten Augenblicke! Sieh dem zu grüssenden bescheiden ins Gesicht; nimm deine Kopfbedeckung immer mit der Hand ab, die demjenigen entgegengesetzt ist, den du grüssen willst. Begegnet dir z. B. jemand, so gehe rechts vorbei und nimm mit der rechten Hand den Hut ab; bist du gezwungen, an einer vor dir gehenden oder stehenden Person vorüberzuschreiten, so thue es an der linken Seite derselben! Hast du keine Kopfbedeckung auf, oder trägst du etwas in beiden Händen, so mache eine höfliche Verbeugung! II. Auf der Strasse. Das Betragen ist der Spiegel, in welchem jeder sein Bild zeigt. Goethe. Auf der Strasse gehe aufrecht, sieh auf deinen Weg und schlendere die Arme nicht hin und her. Gehst du mit den Eltern,