Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 18 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 274 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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274 Bibelübersetzungen. Pou Dr. B. Kuttner in Frankfurt a. M. 5. Deutsche. Bei den deutschen Bibelübersetzungen habet: wir 511 unterscheiden solche von Christen für Christen und solche von Jude:: für Juden. Alter sind natürlich die christlichen. Am ältesten ist die gotische. Das Gotische ist eine deutsche Mundart, die bis um das Jahr 600 gesprochen sein mag, und die genannte gotische Bibelübersetzung ist das einzige deutsche Sprachdenkmal, das wir aus jener Zeit haben. Sie ist daher besonders tvichtig für die Sprachforscher: denn sie zeigt, wie das Deutsche vor 1500 Jahren geklungen hat. Nicht zwei Worte hintereinander würdet ihr davon verstehen: so sehr hat sich die deusche Sprache seitdem verändert. Diese gotische Übersetzung nun rührt her von Ulfila, dem Bischof der Westgoten, der von 311—381 lebte: er war ein gelehrter Manu, der außer der gotischen Sprache auch die griechische und lateinische beherrschte. Er hat außer dem Neue:: auch das ganze Alte Testanient übersetzt; nur die Bücher der Könige übersetzte er nicht, weil er fürchtete, die kriegerischen Goten möchten durch die darin enthaltenen Berichte von Mord und Krieg noch tvilder werden. Erhalten hat sich von dieser Übersetzung noch ein großer Teil des Neuen Testaments, vom Altetl Testament mrr Bruchstücke aus ^«ra imd Nehemia. Seit dem 8. Jahrhundert etwa beginnen namentlich üt Süddetitschland, also in Oberdeutschland, Übersetzungen einzelner biblischer Bücher, mit und ohne Erklärungen, alle natürlich aus der Vulgata übersetzt, bis daun im 15. Jahrhundert schoir die ganze Bibel in deutscher Übersetzung vorhanden ist. Aber auch in Norddeiltschlmid, also in niederdeutscher Sprache, entstanden Übersetzungen, matichmal einfach nach dem Süd- oder Hochdeutschen, manchmal auch aus dem Latein der Vulgata, von Geistlichen angefertigt. Doch waren diese einzelnen Bücher weder in Nordnoch in Süddeutschland gesammelt, sottdern zerstreut; auch wurden selbst nach Erfiuduitg der Buchdruckerktmst vollständige Bibeln nur in geringer Anzahl gedruckt und waren recht teuer, so daß eine Kenntnis der heiligen Schrift im Volke wenig oder gar nicht vorhanden war. Der eigenliche deutsche Bibelübersetzer ist Martin Luther (1483—15461 geworden. Er übersetzte nicht für Geistliche :md Gelehrte, sondern für das Volk, um ihm die Kenntnis des Gotteswortes zu verschaffen. Er begann mit ben sogenannten sieben Bußpsalmen (6, 32, 38, 51, 102, 130, 143), übersetzte dann andere Stücke, bis er im Jahre 1521 den Plan faßte, die ganze Bibel zu übersetzen, und zwar nicht aus der Vulgata, wie damals üblich, sondern aus der Ursprache, also das Alte Testament aus dem