Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 18 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 269 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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269 Tode Mariamnes ist sowohl er als auch seine Frau Zipora ohne jeden Einfluß bei Hose. Zipora kann den grauenvollen Tod der Königin immer noch nicht verschmerzen: sie ist meistens sehr ernst und verstimmt. Um die Erinnerung an Mariamne bildlich vor Augen zll haben, erbat sie sich den öfteren Besuch Noenri's, die seit dem Tode der Königin oft und gern in diesem gastlichen Hanse weilte. Einem glücklichen Zufall war es zu danken, daß Noemi gerade im Hanse Batyras weilte, als Chama um Fürsprache für seinen dem Tode geweihten Sohn verzweifelnd bat, und sofort entschloß sie sich, zum Könige zu geben, und seine Gnade anzurufen. Hatte doch Herodes zu ihr gesagt, als sie den Palast verließ: „Wenn du später einen Wunsch an deinen König haben solltest, so suche ihn auf, und er wird dir gnädig sein." Gestützt aus dieses Versprechen begab sie sich sofort in den Palast, wo sie von allen, auch von dem Könige aufs freundlichste empfangen wurde. Als sie aber ihre Bitte um Begnadigung Ukwos vortrug, verfinsterte sich das Gesicht des Königs. „Nimmermehr!" rief er zornentbrannt, „das wäre ein Mißbrauch der königlichen Gnade." Aber Noemi hörte nicht auf zu bitten: „Mein gnädigster König, nichtfür mich flehe ich Euch um Gnade an, sondern fiir die unglücklichen, ver zweifelnden Eltern, deren Herz brechen würde, wenn das Haupt ihres geliebten Kindes von Henkers Hand fallen würde." „Dell Mördern der Tod! So bestimmts das Gesetz und des Königs Wille!" sagte der Köllig streng. ,,Mein König, es ist schon mancher des Mordes oder des Mordversuches angeklagt worden und hat die darauf stehellde Strafe erlitten, ohne — . ." Weiter konnte sie nichts hervorbringell. Ihr Atem stockte, und ein Zittern ergriff ihre Glieder. Auch Herodes war von der Kühnheit des Mädchens betroffen, er zuckte zusammen; fein Blick senkte sich zll Boden, die Lippen preßten sich fest ailfeinallder. In lautloser'Stille vergingei: einige Minuten. Plötzlich erhob sich Herodes, und Noemi mit Wohlwollen anblickend, sagte er kalliil hörbar: „Glailbst du, der junge Mann verdiene meine Gnadet" „Es ist ein braver, arbeitsarner Sohn achtbarer Eltern " „Aber ein Verschwörer!" schrie Herodes. „Er hat seine Verirrungen eingesehen und bereut sievon Herzeil. Übrigens hat er seine Freunde stets gewarrlt, ihre Hände mit llnrecht und mit Blut zll beflecken," brachte Noemi entschlosseil hervor. „Nun welm meine Gnade keinem Unwürdigen zuteil wird, so sei es! Ich werde sofort Befehl erteilen, beinen Günstling in Freiheit zu setzen," Wer beschreibt die Freude des Mädchens, der mittigen Fürsprecherin? Und