Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 18 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 266 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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26i; 3utn Sersöljnungstage. ä)?it inbrünstigen Gebeten auf den Lippen stehen an diesen: „König der Tage", wie unsere Weisen bcn Jam Kippur nennen, alle Anhänger der Gemeinde Jakobs auf dem weiten Erdenrunde an gottgeweihter Stätte, Verzeihung der Sünden erflehend. Es wäre ein großer Irrtum, wenn ihr. liebe Kinder, glauben wolltet, daß der Versöhnungstag nur für die älteren Leute notwendig fei, nicht aber für euch. Die Pflicht der Selbsterkenntnis, die der erste Schritt zur Besserung ist, muß früh geübt werden, wenn wir nicht der Macht der Sünde unterliegen wollen. Wie die Großen so müßt auch ihr an diesem heiligen Tage euch selbst prüfen. Eine gewissenhafte Prüfung wird zur Folge haben, daß ihr eure Fehler erkennt und in Zukunft bestrebt sein werdet, sie nicht wieder zu begehen, In seiner Allgnade hat Gott tins selber die Mittel gegeben, die Slrafe für die begangenen Sünden von uns abzuwenden: und diese sind: Reue. Gebet nub Mildthätigkeit. Darüber wollen wir heute eine kurze Betrachtung anstellen. Die wahre Reue ist nicht nur das Bedauerit, ein Unrecht begangen 31t haben, sondern sie muß sich mich darin zeigen, daß wir das verübte Unrecht wieder gut zu machen suchen. Angenoinmen, es hat einer von euch im Zorn etwas zerbrochen oder zerrissen, was seinem Bruder, seinem Mitschüler oder sonst jemand gehört. Wenn er ruhiger geworden, empfindet er zweifellos Reue und Scham darüber. Aber das genügt nicht, er muß den Benachteiligten entschädigen, auch wenn ihm dies Mühe macht und Opfer kostet. Dadurch wird die Reue eine vollständige. Dem reuigen Sünder verzeihet Gott gern, wie es in Fesaia 55. 7 heißt: „Es verlasse der Frevler seinen Weg und der Mann des llnrechts seine Gedanken und kehre zurück zum Ewigen, er wird sich seiner erbarmen und zu unseren: Gotte, denn reich ist er in: Bergeben." Das zweite Mittel ist das Gebet: das ist die Sprache des Herzens, in der wir uns mit unserm himmlischen Baker unterhalten. Ich sage die Sprache des Herzens, nicht der Lippen: nrerkt ihr wohl, was ich damit sage:: will? Was der Mund aiwspricht, soll auch vom Herzen empfunden, von den Gedanken begleitet sein. Wenn ihr aber noch so schöne Gebete hersaget und dabei an weiß Gott was denket, ein solches Gebet ist unnütz Lippenwerk: wenn ihr z. B. ein Dankgebet sprechet und dabei nicht von dem Gefühl der Dankbarkeit erfüllt seid — kann ein solches Gebet wohl noch einen Wert haben? Höret, was Jesaja sagt: „Dies Bolk nahet sich mir mit dem Munde, mit den Lippen ehren sie mich, ihr Herz aber ist fern von mir." (29. 13).. Darum, soll euer Gebet Gott Wohlgefallen, so