Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 17 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 260 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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260 sehen!" Willenlos steigt unser Fremder ein. Eine sanfte, hinnulische (Gewalt scheint ihm dabei zn helfen. Die Rosse ziehen an. An duftenden (Bärten und glairzvollen Häusern geht es vorüber, und allerorten drängt sich die Bevölkerung an den Wagen ihres Herrschers und ruft, daß es donnernd durch die Straßen hallt: „Heil Salomo!" Bald sind sie vor einem gewaltig hohen Bau angelangt, zn dem marmore Stufen emporführen. Der König steigt aus, ihm folgt der Professor. Eine wogende Menge umgiebt sie und macht ehrerbietig Platz. Der Fremde staunt über den Riesenbau dessen Säulen zur lichten Höhe emporstreben. Die Thore oben sind weit geöffnet, um die andächtige Gemeinde aufzunehmen: „Das ist mein Tempel!" raunte ihm Salomo zu. — Vorn stehen die Leviten, mit mächtigen Posaunen in der Hand, an ihrer Spitze der Hohepriester. Ihre reichen Kleider blitzen in köstlichem Demantschein. Da plötzlich giebt der Hohepriester ein Zeichen. Es zuckt durch die Reihen der frommen Priester. Die Posaunen ertönen. Die Sänger stimmen an, und mit melodischem Gesänge setzt sich die Priester schar in Bewegung und zieht die Stufen dem Gotteshause zn. „Wie schön sind deine Zelte, Jakob," „Deine Wohmmgen, Israel!" So schallt es ferner, immer ferner an das Ohr der znhörenden Menge bis die Priesterschar oben im Tempel verschwindet. Jetzt geht auch Salomo mit dem Fremden die Stufen hinauf; hinter ihnen wogt das Volk. Bald haben sie das heilige Hans betreten. Der Professor führt unwillkürlich die Hand vor die Augen. So blendet ihn die Pracht im Innern des Riesenbaues. Ihm bleibt nicht lange Zeit zum Staunen. Denn scholl beginnt der Chor: Unsre Hilf ist Gott. In aller Not Hat er sich treu erwiesen. Wenn die Erde wankt. Der Felsen schwankt Ulld erbebt im Meer, Wenn die Woge brüllt, Die Brandung schwillt Und rings die Berge beben,— Wir leben! Unsre Hilfe ist Gott! Heil Zebaoth, Du herrlicher Gott Jakobs! Die Stadt der Welt, Vom Bach itmquellt, Ragt stolz des Heiligen Wohnung. Warum noch geklagt? Der Morgen tagt. Gott schickt ihr wieder Hilfe. Gottes Stnrlilwüld weht. Die Welt vergeht. Es beben HeidenvölUr. Unsre Hilf ist Gott. Heil Zebaoth! Du herrlicher Gott Jakobs! Kommt selbst und seht, Wie Gott besteht, Ter gewaltige Erderschütterer. Er zerbricht die Wehr, Zerschlägt den Speer, Verbrennt in Feiler den Wagen. Bekennt lnid schweigt