Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- 17 (1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 259 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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259 Und alle die Groszen des ewigen Volkes zogen majestätisch an seinem Geiste vorüber, bis er vor Mattigkeit unter einer Zeder seine müden Lider schloß. Aber wie wunderbar! Aus dem Abgrunde steigt eine alte, alte Stadt empor mit gleißenden Palästen und hohen, weißen Häusern. Der Professor steht auf einem weiten Platze, und ihm gegenüber ragt ein herrliches Lustschloß empor. Zn der Ferne sieht er den Ölberg, aber nicht mehr trüb und öde, sondern von Fl ras lieblichen Töchtern in ein duftendes Paradies verwandelt. Der Platz ist belebt. Männer, aus deren Antlitz ein edler Stolz thrort, gehen in langen rauschenden Gewändern an ihm vorüber. Frauen und Mädchen eilei: vorbei, mif ihrem schönen Angesicht ein milder Schinnner edler Anmut. Er hört sie sprechen. Erst schallt es zu ihm herüber wie ein sanftes Rausche::, wie ein leises, leises Lispeln, das die Blätter des Waldes erregt, wie ein Flüstern, das durch den weiten, weiten Forst geheimnisvolle Melodien erschallen läßt. Dann hört er es lauter und lauter, ein Brausen und Sausen erfüllt die Luft. Er vernimmt deutlich die wohlbekannten Klänge der alten, alten und doch ewig jungen Sprache. Da schlägt ihm das Herz stärker. Doch was ist das! Es öffnen sich weit die Flügelthore des Palastes. Zuerst blitzt und funkelt es geheimnisvoll in: offnen Thore. Dann schallt kriegerischer Männerruf und Roßgewieher herüber. Endlich sprengt eine stolze Reiterschar hervor. Die goldenen Schilde der Krieger werfen blendende Blitze nach allen Seiten. Die Sonne spiegelt sich in ihren Helmen und Panzern. Je näher die Kiihnen herankominen, um so gebietender wirken sie auf das versamnrelte Volk. Ter wallende Helmbusch umschattet ihr männlich kühnes Angesicht. Da verstärkt sich plötzlich der Jubel. Eben erscheint am Thore ein güldener Triumphwagen, von sechs weißen Rossen gezogen. Auf dem Wagen steht der Lenker und hinter ihm, ans sein Schwert gestützt, eine majestätische Mänuergestalt in überreicher Tracht. Da bricht das Volk in den Jubelruf aus: „Hoch lebe König Salomo!" Überwältigt von dem Eindruck der erhabenen Erscheinung bricht der Fremde sich Bahn durch die Menschenmenge und sieht zu dem königlichen Helden aus. Aber verwirrt muß er seirw Augen Niederschlagen. Das ist kein Mensch mehr, der vor ihm auf den: Wagen steht, das ist ein Gott! Die hochgewölbte, gedankenschwere Stirn, von der lautere Weisheit strahlt, die großen, offenherzigen Augen, die mit ihren: Leuchten die dunkelste Kam:::er der Menschen Herzens zu erhellen vermag, der seine Mund, um den ein freundliches Lächeln spielte, — das war Salomo. — Wie jetzt der Prunkwagen vor den: Reisenden hält, hört er plötzlich eine sanfte, weiche Stiiume, die wie seine Sphäremnusik schallt. „Steig in ineinen Wagen, freinder Menschensohn! Du sollst ineinen Tempel