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Israelitischer Jugendfreund · 1898-01-01 · 17 (1898) · p. Seite 255

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
4 (1898)
Issue
17 (1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 255 (sequence 9)
Language
German
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255 Allmählich wurde es im Palast ruhiger. Der Fimmel bedeckte sich mit schwarzen Wolken, und ein schweres Gewitter entlud sich, als sollte die Donnerstimme die unselige That des Königs Merodes verkünden — Mariamne, der letzte Sproß des hasmonäischen Stammes, war der Verfob gungswut des Merodes zum Opfer gefallen. Kaum war die grausige That vollbracht, da packte den König eine grenzenlose Wut, die er alle diejenigen fühlen ließ, die den Tod der Königin mit herbeiführen halfen. Selbst die von ihm eingesetzten und mit der Führung des Prozesses beauftragten Richter wurden nicht verschont. Dadurch suchte er sein gepeinigtes Gewissen zu beschwichtigen. Andererseits glaubte er sich Beruhigung dadurch zn verschaffen, daß er die frühere Umgebung der Königin in seine Nähe bringen ließ. Tr erinnerte sich dabei der Noemi und gab den Befehl, sie zu ihm zu bringen. Die Diener kamen jedoch mit dem Bescheide zurück, Noemi sei nicht mehr im j?alaste, sondern von ihren Eltern, die jetzt in Jerusalem wohnten, abgeholt worden. hierauf schickte der König zu Levi und gab ihm auf, mit Noemi vor ihm zu erscheinen. Furcht und Schrecken ergriffen die Eltern, als ihnen die Aufforderung zuging; sie dachten nicht anders, ihrem Kinde solle ein Leid geschehen. Obgleich Noemi selbst kein Verlangen trug, wieder in den Palast zurückzukehren, so willigte sie doch aus Furcht vor den Folgen eines Ungehorsams gegen des Königs Befehl ein. Aber wie erschrak Noemi, als sie den König erblickte! Welche Veränderung war mit ihm vorgegangen! Er erschien gebrochen, ein Bild namenlosen Schmerzes. Aus jeden: seiner Blicke sprach der tiefe Gram, und auch seine Stimme hatte die frühere Festigkeit verloren. „Du hast deine Tochter von hier abgeholt, ohne daß ich es wußte," sprach er zu Levy. „Ich konnte nicht glauben, daß meine Tochter hier noch gewünscht würde, nachdem .... hier stockte der Mann, er wußte nicht, ob er den Satz beenden dürfe. „Ich verstehe dich," sagte der König freundlicher, als er sonst zu seinen Unterthanen zu sprechen pflegte. — „Aber", fuhr er darauf fort, „wenn es mein Wille ist, Noemi auch ferner im j)alaste zu haben, wie dann?" „Freilich, dann könnte ich nichts dagegen thun." „Und du," — wandte er' sich hierauf an Noemi — „du würdest doch auch wohl gerne hier bleiben; du weißt ja, wie schön es hier ist, wie gut* du es hast, ganz so — wie früher." „Meine teure Herrin ist nicht mehr hier, darum möchte ich auch

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